16.3.15

A Most Violent Year

USA 2014 Regie: J.C. Chandor mit Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Alessandro Nivola, Albert Brooks 125 Min.

Kein Blut für Öl, das kennt man international als Losung. Ganz lokal will Abel Morales (Oscar Isaac) Anfang der 80er-Jahre in New York sein Heizöl verkaufen, die Kunden der Konkurrenten übernehmen, aber nicht ihre schmutzigen Methoden.

Als er mit seiner Frau Anna (Jessica Chastain) für den freien Handel mit direktem Zugang zum Hafen dort eine Raffinerie kaufen will, droht die hohe Anzahlung verloren zu gehen: Einerseits bereitet der Staatsanwalt Lawrence (David Oyelowo) eine umfangreiche Anklage vor. Dann werden die Fahrer von Morales immer wieder angegriffen und die Tankwagen geklaut. Als sich ein bereits überfallener Angestellter bewaffnet und es zu einer Schießerei auf der Autobahn kommt, will die Bank keinen Kredit mehr geben.

Abel Morales, erfolgreicher Einwanderer, ist eine faszinierende - von Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis", „Agora") sensationell gespielte - Erscheinung: Freundlich, aber extrem entschlossen, überzeugend, gewinnend. Abel gibt sich als fürsorglicher Patriarch für einen Fahrer, der brutal zusammengeschlagen wurde. Doch er opfert ihn später auch kalt für die Firma.

Die Drohungen seiner Frau Anna, der Herrin der Buchhaltung, die familiäre Beziehungen zur Mafia hat, sind jedoch ebenso eindrucksvoll. Als sie in der Nacht ein Reh anfahren, das langsam verendet, zeigt sich, wer wirklich die Hosen anhat. Grandios wie sich die elegante Ehegattin, die mit dem Bleistift ihre laute Rechenmaschine bearbeitet, wieder in die Mobster-Tochter verwandelt.

„A most violent year" könnte ein James Gray-Stoff sein, entwickelt sich jedoch zwischen dem Ideal vom freien Markt und den schmutzigen Realitäten hinter den schmutzigen Geschäften einerseits differenzierter und letztlich optimistischer.

Der neue Film von J.C. Chandor („Der große Crash – Margin Call", „All Is Lost") hat den Scorsese-Look der 80er mit kantiger S-Klasse und Mode. Die enorm packende Inszenierung zoomt langsam in ein Geflecht aus Interessen der Gewerkschaften, des Staatsanwalts und der Konkurrenten. Das geschieht mit packender Atmosphäre, anhaltender Spannung und dem Countdown um den Raffinerie-Kauf. Dazwischen besonders großartig inszenierte Momente und Figuren, sowie die großen Fragen: Wie bist du so geworden? Wieso machst du das?

Wenn am Ende Öl und Blut fließt, muss man international weiter denken. Es bleibt offen, wie moralisch korrekt Morales nun ist - faszinierend bleibt er auf jeden Fall!

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