16.3.15

3 Herzen

Frankreich/Deutschland/Belgien, 2014 (Trois coeurs) Regie: Benoît Jacquot mit Benoît Poelvoorde, Charlotte Gainsbourg, Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve 104 Min. FSK: ab 6

Drei Gesichter könnte dieser Film auch heißen, denn sein vortrefflich gemeines Liebes-Drama spielt sich vor allem auf den Gesichtern von Charlotte Gainsbourg, Chiara Mastroianni und Benoît Poelvoorde ab. Doch wir wollen nicht den netten Auftritt der Deneuve als Film- und echte Mutter (von Mastroianni) übersehen, ebenso wenig die geniale Kamera von Julien Hirsch, die den drei Gesichtern einen trefflichen Rahmen gibt. Was zusammen bis zum Höhepunkt einer entsetzten Nahaufnahme eine hammerharte französische Menage a trois ergibt.

Ja, Erfahrungen mit Frauen habe er schon, aber er lerne sie einfach so kennen, ohne irgendwas Spezielles zu machen. Das erzählt Marc (Benoît Poelvoorde), ein unscheinbarer Steuerprüfer in der Provinz, der gerade dort den Zug nach Paris verpasst hat, der Zufallsbekanntschaft Sylvie (Charlotte Gainsbourg). Es folgt ein langer Spaziergang durch die Nacht, ein wenig „Before Sunrise". Nur älter, aber wieder ebenso so unrealistisch blöd ohne Austausch von Telefonnummern, mit vager Verabredung in Paris. So scheitert das Treffen an Marcs schwachem Herzen und der Film wird wortlos zu einem ganz bitteren Melodram. Denn einige Zeit später hilft Marc auf dem Amt einer anderen Frau bei der Steuer, lernt sie kennen und lieben. Sie ziehen glücklich zusammen, heiraten und die andere, Sophie (Chiara Mastroianni) ist Sylvies Schwester.

Diese unglaubliche Tragik wurde von Benoît Jacquot („„Leb wohl, meine Königin!") völlig glaubhaft und einzigartig elegant inszeniert. „3 Herzen" hat zwischendurch auch einen schön stillen Humor. Etwa bei Sophies Abschied von ihrem letzten Freund im Kino, mitten in einer Action-Szene. So elegant wie die Kamera von Julien Hirsch dies alles begleitet, so werden auch die Verbindungsstücke des Dreiecks eingestreut. Ein Feuerzeug, eine Adresse herausgerissen aus einem Brief und der Spiegel, den die Schwestern noch gemeinsam kauften.

Charlotte Gainsbourg ist mit ihrem typischen Ausdruck zerbrechlicher Sensibilität die mutigere der „Geliebten Schwestern", die dann doch mit dem bereits verlassenen Ex in die USA zieht. Atemberaubend und unglaublich gut ihr Gesicht, wenn sie beim Skypen den Geist aus der Vergangenheit sieht.

Der oft laut polternde Belgier Benoît Poelvoorde („Mann beißt Hund") gibt hier einen einfachen, zu angespannten Typen. Weder eitel noch unsicher, einfach präsent. Die Herzprobleme begleiten seinen Marc weiter, auch wenn ihm ein Arzt normalen Puls bescheinigt. Denn ein Zweifel wächst in Marc, im Haus von Sophies Mutter (Deneuve) traut er sich nicht zur Fotowand. Die Erkenntnis trifft ihn exakt in der Mitte des Films, wie diese fiesen Dilemmata in den griechischen Dramen. Marcs Angst ist die vor einem Geist, wenn Sylvie ihn durch eine Milchglasscheibe im Büro sucht.

Chiara Mastroianni verkörpert die sehr weinerliche, unsichere Sophie. Wieder ist sie exzellent in der Rolle einer Schwester, wie schon bei Valéria Bruni-Tedeschis autobiografischem „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr". Das wahre Leben spielt auch etwas mit, denn Mastroiannis tatsächliche Mutter Catherine Deneuve ist mit ihrem aktuell typischen Gesichtsausdruck voller Verachtung auch die Film-Mutter. Ein weiterer starker Gesichtsausdruck in diesem hammerharten Drama, bei dem man gefesselt an jeder Gesichtsregung der Beteiligten hängt. Am Ende steht nur ein ganz normaler Seitensprung, dessen Vollzug man allerdings aufgrund der nuanciert aufgebauten Situation mit Hochspannung entgegensieht. Begleitet von extrem bedrohlichen Streichern (Musik: Bruno Coulais) und einem ganz nüchterner Kommentar. Dagegen steht eine kleine Piano-Melodie der Liebe, die gegen das Entsetzen im finalen Blick der Erkenntnis keine Chance hat.

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