18.4.17

Queen of Katwe

USA 2016 Regie: Mira Nair mit Madina Nalwanga (Phiona Mutesi), David Oyelowo (Robert Katende), Lupita Nyong'o 124 Min. FSK: ab 0

Die „Queen of Katwe", die Königin von Katwe, ist die junge Phiona Mutesi aus Uganda, die aus armen Verhältnissen gegen alle Erwartungen zur Profi-Schachspielerin wurde. Bevor man von irgendeiner abgedroschenen Erfolgs-Geschichte gelangweilt sein kann, ist man mittendrin im Leben von Katwe. Das ist der Slum von Ugandas Hauptstadt Kinshasa. Wir sehen, wie Phionas Mutter morgens Wasser holen muss, die Kinder beim Händler Mais auf Kredit erbetteln, um den dann im Verkehrs-Chaos der Stadt zu verkaufen. Geld für eine Schule ist nicht da. Es ist Phionas kleiner, pfiffiger Bruder, der zuerst beim Jugendclub Fußball und dann Schach lernen will. Denn damit könne er als Slum-Bewohner die „Cityboys mit den Golduhren" ärgern, wie ihn der Pädagoge Robert Katende (David Oyelowo) ködert. Doch es ist Phiona, die dort erst eine Schale Getreidebrei erhält, wenn sie anfängt Schach zu lernen. Sie erweist sich als Naturtalent, noch bevor sie lesen kann, und überrascht mit großer Aggressivität in ihrem Spiel. Mit elf Jahren wird sie zum ersten Mal Jugendmeisterin von Uganda, mit fünfzehn wurde sie nationale Meisterin und 2010 nahm sie an der Schacholympiade im russischen Chanty-Mansijsk teil. Als Jugendliche unter lauter gut situierten Berufsspielern.

Wenn Phiona wieder mit einem Riesenpokal nach Katwe zurückkommt, kann die Familie den höchsten als Schüssel für einen einfachen Brei verwenden. Die Skepsis der alleinerziehenden und schwer arbeitenden Mutter angesichts dieses Weges bestätigt sich, als Phiona sich tatsächlich vom Leben in Katwe entfremdet, von Erfolg und besserem Leben träumt, während sie ihre Arbeit vernachlässigt. Immer wieder muss Robert Katende - eigentlich ein mit exzellentem Diplom ausgebildeter Ingenieur - den Wert von (Aus-) Bildung betonen, dank ihm und seiner Frau können Phiona und ihr Bruder zur Schule gehen. Es ist großartig und bewegend, wie Katende mit unendlicher Energie alle Hindernisse angeht, den Präsidenten des Schachbundes übertölpelt, der Kinder aus dem Slum nicht beim Turnier mitspielen lassen will, weil sie „Krankheiten bringen" würden.

Es ist herrlich, wie schon das Lernen des Spiels viel über das Leben in Katwe und Uganda erzählt: Die Figuren sind Präsidenten, Räuber, Grundbesitzer, aber ein kleines Mädchen mit feministischem Touch erzählt auch von der Möglichkeit, dass ein Kleiner am Ende groß werden kann. Die Taktik des Spiel wird vermischt mit Lebensweisheiten bis hin zu der traurigen und poetischen Episode eine verheerenden Überschwemmung im Slum, über die Phiona wiederum mit den Metaphern des Schachspiels berichtet.

So steckt mehr soziale Realität in „Queen of Katwe" als in all den Disney-Filmen, in denen fremde Zivilisationen kolonialistisch ausgebeutet werden, wie „Pacahontas", „Merida – Legende der Highlands" oder zuletzt das polynesische Mädchen „Vaiana". Dass dieses Biopic eines Schach-Wunderkinds aus den Slums von Kinshasa zwar ein Disney-Film ist, aber nie so aussieht, liegt vor allem Mira Nair, der großartigen indisch–stämmigen US–Regisseurin von Filmen wie „Monsoon Wedding" (2001), „Kama Sutra" (1995), „Mississippi Masala" (1991) und „Salaam Bombay!" (1988). „Queen of Katwe" basiert nun auf dem Buch „Das Mädchen, das barfuß Schach spielte" von Tim Crothers. Original-Schauplätze, Laiendarsteller aus dem Stadtviertel Katwe und der nicht synchronisierte englische Dialekt machen diesen tollen Film zu so viel mehr als noch einer „wahren" Erfolgsgeschichte. Die Hauptdarstellerin Madina Nalwanga begeistert ebenso wie der zurückhaltend agierende Star David Oyelowo („Der Butler", „Selma", „A United Kingdom").

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