25.4.17

Die Schlösser aus Sand

Frankreich 2015 (Les châteaux de sable) Regie: Olivier Jahan mit Emma de Caunes, Yannick Renier, Jeanne Rosa, Christine Brücher 98 Min. FSK: ab 12

Eléanor fährt mit ihrem Ex-Freund Samuel in die Bretagne, um das Haus ihres Vaters am Meer zu verkaufen. Nachdem sie Samuel betrogen hat, verließ er sie und hat nun eine neue Geliebte, Laure. Er erledigt geschäftig und distanziert ein paar Arbeiten am Haus, sie will seine Vertrautheit und etwas über die Neue erfahren. Die lokale Immobilienmaklerin Claire führt die Käufer durch das alte Haus mit dem imposanten Ofen und den schweren Holztreppen. Erinnerungen tauchen auf, als Schwarzweiß-Fotos oder auch als kurze Flashbacks. Im sehr schönen Wechsel der Erzählerstimmen gibt es kurze Analysen der anderen Figuren, blitzen etwa Einsamkeit und Sehnsüchte von Claire auf.

Drei Tage, um das Haus zu verkaufen und sich von ihm zu verabschieden, das ist die uneigentliche Handlung, während es tatsächlich um die Gefühle des ehemaligen Paares geht. Und da sich an diesem mehrfachen Wendepunkt die Menschen öffnen und einem sehr nahe kommen, geht es vor allem um Eléanors Liebe zur ihrem Vater, die alles bestimmt. Selbst der Auftritt der langjährigen heimlichen Geliebten des Vaters ist nur ein Anhängsel der zentralen Vater-Tochter-Beziehung.

Die sehr anrührende Liebesgeschichte ist in der malerischen Umgebung der Bretagne (in der Stadt von Georges Brassens, dessen Lied „Les châteaux de sable" dem Film den Titel gab) nie gewöhnlich, nie auf ausgetretenen Wegen unterwegs. Was mit nüchternen Analysen und Beobachtungen beginnt, hat in der Tradition von Jacques Rivette viel von dessen verspielt leichten und gleichzeitig sehr ernsthaften Filmen. Auch Emma de Caunes' Interpretation der empfindsamen Eléonore macht „Die Schlösser aus Sand" zu so einem großen, substanziellen Werk über Liebe und Gefühle.

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