10.1.17

La La Land

USA 2016 Regie: Damien Chazelle mit Ryan Gosling, Emma Stone, J.K. Simmons 128 Min. FSK: ab 0

Dass „La La Land" mit gleich sieben Golden Globes der absolute Überflieger der neuen Preis-Saison ist, sollte Anlass sein, das Alter der Jurys zu überprüfen. Denn die wunderschöne Musical-Romanze vom jungen Ausnahme-Regisseur Damien Chazelle („Whiplash") glänzt vor allem nostalgisch.

Wir sind im „La La Land"! Da gibt es keine Zweifel, wenn schon in der ersten Szene oben auf einem verstopften Hollywood-Highway unvermittelt in Gesang und Tanz ausgebrochen wird. Bereits dies eine großartige, umwerfende Nummer im Cinemascope-Format und in knalligen Farben, die an Technicolor erinnern. Bis unser Liebespaar zusammen kommen wird, erleben wir jedoch noch wie Mia (Emma Stone) als angehende Schauspielerin nicht besonders erfolgreich ist und wie Sebastian (Ryan Gosling) als frustrierter Ex-Besitzer einer Jazzbar nicht in der Lage ist, einen Pianisten-Job mit Fahrstuhl-Musik zu behalten. Dass wir auch noch warten müssen, bis die beiden ihr erstes Duett haben, liegt daran, dass der Jazz-Nerd Sebastian zu sehr in seiner eigenen Welt steckt und diese umwerfende Frau erst einmal umrennt.

Das Musical blitzte als vergessenes Film-Genre in den letzten Jahren nur noch selten auf: Lars von Trier machte aus „Sound of Music" seinen „Dancer in the Dark", Baz Luhrmann aus Pop-Geschichte sein „Moulin Rouge" und die BBC-Meisterwerke von „Singing Detective" Dennis Potter, der in „Lipstick on Your Collar" Ewan McGregor erstmals singen ließ, sind alle fast vergessen. Während die Franzosen die Tradition von Jacques Demy („Die Regenschirme von Cherbourg") wenig pflegten, besteht nur noch Indien darauf, in jedem Film mindestens zwanzig Lieder einzubauen. Dies muss auch Regisseur Damien Chazelle schmerzhaft empfunden haben, ist doch sein „La La Land" auf den ersten Blick ein Musical wie zu Hollywoods besten Zeiten.

Wie der Free-Jazzer Sebastian nimmt Chazelle allerdings auch den klassischen Musical-Standard und variiert ihn mit seinen eigenen Rhythmen und Paraphrasen. „La La Land" ist das Werk eines Romantikers, der sich als einer der hoffnungsvollen Nachwuchs-Regisseure dieser Zeit treu bleibt. Er inszeniert mit Bravour lange und komplizierte ungeschnittene Sequenzen. Dazu stilvolle Montagen mit eleganten Überblendungen, viele Lichtwechsel in der Szene. Was allerdings manchmal mehr wie eine filmhistorische Nummernrevue wirkt als aus einem Guss.

Dabei erlebt die Liebe ihr kurzes Glück im Lobgesang auf freie kreative Improvisation. Denn selbstverständlich kann das Thema zweier Künstler, die ihren Weg suchen, immer spielend leicht auf den Film übertragen werden. So glänzt das zeitweise himmlische Musical mit obligatorischer Steppeinlage, sehr schönem, bitter-süßem Leitmotiv und umwerfendem Stone-Lied für alle Träumer, das schon für den Oscar und die Film-Ewigkeit gesetzt ist.

Ryan Gosling ist immer am besten, wenn er den Mund hält. Hier also sprechend nicht umwerfend, geschweige denn singend. Seine Coolness wirkt etwas verloren gegen diese Urgewalt von Charme bei Emma Stone. Für sie gab es schon 2016 in Venedig den Preis als Beste Darstellerin. Trotzdem gelingt den beiden eine lebendige, funkelnde und sogar sprühende Romanze. Die Chemie funktioniert, sagt man. So sehr, dass beim ersten Kuss ein Film verglüht.

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