23.1.17

Hacksaw Ridge

Australien, USA, 2016 Regie: Mel Gibson mit Andrew Garfield (Desmond T. Doss), Teresa Palmer (Dorothy Schutte), Hugo Weaving (Tom Doss), Rachel Griffiths 140 Min. FSK: ab 16

Das Beste an diesem neuen Mel Gibson - er ist nicht in Aramäisch und es kommt kein Biber drin vor! Ansonsten ist er ebenso brutal wie „Die Passion Christi" (2004) und „Apocalypto" (2006), sodass der Regisseur Gibson weiterhin bei jeder filmischen Verkehrskontrolle mit viel zu hohem Blutspiegel rausgewunken wird.

Desmond T. Doss (Andrew Garfield) ist der Held dieses vermeintlichen Anti-Kriegsfilms: Schon als Kind schwört er nach schrecklichen Erlebnissen mit seinem vom ersten Welt-Krieg traumatisierten und schlagenden Vater (Hugo Weaving) der Gewalt ab. Desmond wird irgendwie religiös gewaltlos, aber nicht Pazifist. So lässt auch er sich einreden, er müsse in den Krieg gegen Japan ziehen. Wenigstens als Sanitäter. Während der Ausbildung amüsiert sich der aufgeweckte Junge über den absurden unmenschlichen Drill (eher harmlos geleitet von Vince Vaughn) und widerspricht sogar dem üblichen Kadaver-Gehorsam. Unter den „Kameraden" verdient er sich bei Schikane und Prügel schließlich Respekt. Es ist tatsächlich auch komisch, wie der Apparat um den Waffenverweigerer versucht, mit der undenkbaren Haltung fertig zu werden. Das erinnert an die idiotischen Fragen der Gewissensprüfung bei der legendären deutschen Wehrdienstverweigerung.

Die zweite Hälfte des Films ist dann das Gemetzel einer der „legendären" Pazifik-Schlachten, diesmal um den titelgebenden Höhenzug „Hacksaw Ridge". Ein üblicher Kriegsfilm, die Amerikaner sind die guten Opfer, die Japaner gesichtslose Killer. Das hat eine Weile die Intensivität und den Splatter-Faktor von „Der Soldat James Ryan", wandelt sich aber in den Ruhepausen des Massenmordens zur Helden-Geschichte von Desmond. Nach verlorener Schlacht rettet er alleine viele verletzte amerikanische Soldaten vom Schlachtfeld. Dabei muss er sich tot stellen, wenn die Japaner die letzten Überlebenden abstechen, und hilft beim Verstecken in der Kanalisation sogar einem Gegner. Dieses Heldentum wird am Ende ausführlich zelebriert. Da ist dann keine Zeit mehr nachzudenken, ob die Haltung, mitzukämpfen aber halt nicht zu schießen, nicht einfach nur schizophren sowie inkonsequent ist. Auf jeden Fall ist auch dieses Heldentum ein Rädchen der Kriegsmaschinerie, zusammen mit Waffenexporten, Ausbeutung der Dritten Welt oder religiösem Wahn.

Ein Anti-Kriegsfilm von Mel Gibson? Das wäre eine 180-Gradwende für den Darsteller aus „Mad Max" und „Lethal Weapon". Immerhin ist erstaunlich, wie oft und auffällig in „Hacksaw Ridge" dem Willen zur typischen (Film-) Rache und zum Regeln der Dinge mit der Waffe widerstanden wird. Aber nur das eindrucksvolle von Weaving personifizierte Plädoyer gegen Krieg reicht nicht, um den eigenen Film zu pazifizieren.

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