10.1.17

Die Blumen von gestern

BRD, Österreich, 2016 Regie: Chris Kraus mit Lars Eidinger, Adèle Haenel, Jan Josef Liefers, Hannah Herzsprung 126 Min. FSK: ab 12

Ein Komödie, noch dazu eine romantische, über das Zusammentreffen eines deutschen Täter-Enkels und einer Opfer-Enkelin ist eine eher heikle Angelegenheit. Chris Kraus („Poll", „Vier Minuten") traut sich Screwball-Dialoge, Scherze über moralische Keulen und einen verklemmten Umgang mit dem Holocaust.

Totila Blumen (Lars Eidinger) und Zazie Lindeau (Adèle Haenel) sind zwei schwer gestörte Holocaustforschern, die an einem Auschwitz-Kongress arbeiten. Dabei hat die witzige Zazie ein Verhältnis mit dem schleimigen Institutsleiter Balti (Jan Josef Liefers) den Totila kürzlich krankenhausreif geschlagen hat. Dass Totilas Großvater Zazies Oma hat vergasen lassen, hindert die traumatisierte Französin nicht, mit dem Nazi-Enkel ins Bett zu wollen. Klingt haarsträubend, lässt sich aber im wahnsinnigen Schauspiel von Eidinger und Adèle Haenel („Das unbekannte Mädchen") tatsächlich ansehen. Dabei weigert sie sich, Mercedes-Wagen oder Biere aus dem Land der Mörder zu gebrauchen. Er findet in guter Tradition Lyrik aus Deutschland unmöglich und meint: Ich bin Holocaust-Forscher, ich verdien' mein Geld damit, negativ zu sein. Der Humor legt dabei einen Schlingerkurs zwischen Volltreffern und Grenzwertigem hin, der sich auf jeden Fall als interessanter und nachdenkenswerter als die übliche Bewältigungs-Routine erweist. Ein frecher, komischer, mutiger und gelungener Film.

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