11.12.16

Paula

BRD, Frankreich, 2016 Regie: Christian Schwochow mit Carla Juri, Albrecht Abraham Schuch, Roxane Duran, Joel Basman 123 Min. FSK: ab 12

Christian Schwochows sehr schön freie Film-Biographie „Paula" erzählt von der Künstlerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907), die 1897 als 21-Jährige in die Künstlerkolonie Worpswede kommt, um entgegen allen gesellschaftlichen Erwartungen eine eigenständige Malerin zu werden. In einer Folge schöner, expressiver Szenen schildert „Paula" das Leben in Worpswede, die Freundschaften mit der Künstlerin Clara Westhof und dem Dichter Rainer Maria Rilke, Paulas Liebe zu Otto Modersohn sowie nach Jahren die Flucht vor der asexuellen Beziehung und der gesellschaftlichen Geringschätzung nach Paris. Hier taucht bis hin zu Camille Claudel eine ganze Reihe kreativer Frauen auf, die als Assistentinnen missbraucht werden, kaum ein Unterschied zu Worpswede, wo sie nach der Meinung der Kollegen vor allem die Palette halten sollten.

Paula Modersohn-Becker wird nach ihrem kurzen Leben als erste Frau mit 750 Gemälden und 1000 Zeichnung ein eigenes Museum erhalten. Vor allem die Leidenschaft einer kecken Frau aus Norddeutschland, ihr Eigensinn in Stil und Darstellung werden durch die aus dem Tessin stammende Hauptdarstellerin Carla Juri („Feuchtgebiete") in einem ansonsten ruhigen Film wunderbar mitreißend und berührend verkörpert.

Regisseur Christian Schwochow („Novemberkind", „Der Turm") gibt in oft berauschenden Bildern viel Zeitgeist wieder, erlaubt aber seiner eigenen Inszenierung die Freiheit und Frechheit ihrer Heldin Paula. Nicht notwendig, aber interessant ist die typische Männer-Sicht, die in der Modersohn-Dokumentation „So weit und gross - Die Natur des Otto Modersohn" aus dem Jahr 2010 zeitgleich noch einmal ins Kino gebracht wird. Denn im Liebesfilm, der „Paula" auch ist, wird klar, dass es erst richtig klappt, wenn man(n) die unabhängigen Qualitäten der Künstlerin anerkennt.

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