31.12.16

Passengers

USA 2016 Regie: Morten Tyldum mit Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen 117 Min. FSK: ab 12

Jim Preston (Chris Pratt) hört beim Aufwachen Bob Dylan, aber ansonsten liegt viel Zukunft vor ihm. Weit vor ihm, denn schnell wird dem Techniker auf dem Raumschiff Avalon klar, dass er als einziger von 5000 Kolonialisten 90 Jahre zu früh aus dem Hyperschlaf aufgewacht ist. Der Notruf zur Erde kostet 6000 Dollar und eine Antwort kann frühestens in 36 Jahren kommen. So ist Jims erster Gesprächspartner ein Androide, der lässige Barkeeper Arthur (Michael Sheen). Mit seinen üblichen Gastwirt-Sprüchen, die witzigerweise selbst in dieser extremen Situation passen. Zum Glück ist der einsamste Mensch des Universums Handwerker und macht sich mit der Axt den Weg frei in Bereiche für reichere Reisende. Der schale Spaß mit dem Unterhaltungsprogramm des riesigen Spielzeugs Aurora wird im Laufe des ersten Jahres allerdings zum existenziellen Trip bis zu Selbstmord-Gedanken. Schließlich wird sich Jim wie einst Adam eine Frau erschaffen. Genauer: erwecken.

Die Auserwählte, die Schriftstellerin Aurora Lane (Jennifer Lawrence), soll nie erfahren, wieso auch sie 90 Jahre vor der Ankunft in der neuen Welt aufwachte. Trotzdem ist dies nicht die beste Voraussetzung für einen Romanze im Weltall. Allerdings sehr wohl für einen romantischen Science Fiction, wenn man unbedingt ein Genre für den durchaus originellen „Passengers" braucht. Denn ganz anders, als es die Trailer vorgaukeln, ist dies erst einmal der Film von Jim. Er verliebt sich in eine Sleeping Beauty, deren Aufzeichnungen er studiert. Nach einem folgenreicher Eingriff kann er sich beim Werben viel Zeit lassen, schließlich ist er der attraktivste, weil einzige wache Mann weit und breit. Das führt zu guten Scherzen über ihre spezielle Situation beim ersten Date, ihr erster Ausflug geht direkt ins Schwerelose und die Romanze funktioniert wunderbar. Jim und Aurora sind eine Weile „sehr glücklich für zwei unglückliche Menschen". Aber nicht nur die Liebe zerbricht, auch auf dem Schiff funktioniert immer mehr immer weniger.

So spielt „Passengers" als Kammerspiel in unendlicher Weite ein interessantes Beziehungskonzept durch. Während man sich gerade überlegt, wie etwa Sartre diese Situation weiterentwickelt hätte, meldet sich bei einer der großen Richtungsänderungen in das Hollywood-Denken mit einer Action-Routine zurück. Nicht sehr originell. Optisch immer noch attraktiv, muss man nach vielen netten Schwerkraft-Scherzen (und auch Fehlern) in den entscheidenden Momenten an „Gravity" zurückdenken. Die Science Fiction-Action wird spätestens wenn es um Leben und Tod geht, zur Lachnummer. Da schließt sich der Kreis für Chris Pratt zu seiner Parade-Rolle als „Guardian of the Galaxy".

Neben schönen Ausstattungs-Spielereien, die das gigantische Schiff erfahrbar machen, zeigt vor allem Jennifer Lawrence („X-Men", „Die Tribute von Panem") erneut, dass sie eine ernsthafte und sehr gute Schauspielerin ist. Michael Sheen macht sich als sympathischer Bar-Roboter unsterblich. Der norwegische Regisseur Morten Tyldum verdient nach der Turing-Biographie „The Imitation Game" und dem harten Thriller „Headhunters" mit „Passengers" eindeutig eine Platzreservierung in Hollywood.

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