28.11.16

Sully

USA 2016 Regie: Clint Eastwood mit Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney 96 Min. FSK: ab 12

Von einem Eastwood erwartet man immer viel, auch wenn der Mann ein seltsames Verhältnis zu Stühlen und Politik hat. Nun macht er aus der sagenhaften Landung eines antriebslosen Passagierfliegers auf dem Hudson mitten in New York eine Hymne des einfachen Mannes „Sully". Wie der Pilot Chesley Sullenberger dies und die Turbulenzen danach bewältigt, ist nur am Rande eine typische Tom Hanks-Rolle. Dank ungewöhnlichem Aufbau packt „Sully" nicht als Katastrophen- sondern als exzellenter Eastwood-Film.

Es ist immer noch eine unglaubliche Geschichte, wie am 15. Januar 2009 Kapitän „Sully" Sullenberger sein defektes Flugzeug im Gleitflug auf dem eisigen Hudson River notlandete und das Leben aller 155 Menschen an Bord rettete. Das „Wunder auf dem Hudson" war nicht nur eine unfassbare Geschichte aus dem Herzen New Yorks, es war auch nach vielen Niederschlägen mal etwas Positives für die Stadt. So joggt Sullenberger (Tom Hanks) nach seiner Wasserung nachts durch New York und sieht den ganzen Time Square mit riesigen Aufnahmen seiner Heldentat ausgeleuchtet. Dass er allgegenwärtig ist, belustigt andere und beängstigt ihn. Denn derweil läuft schon eine Untersuchung, ob der Flugkapitän nicht doch den nächsten Lufthafen hätte erreichen können.

Es dauert glatt eine halbe Stunde, bevor Regisseur Clint Eastwood uns eine erste dramatische Version der mittlerweile legendären Not-Landung zeigt. Der Film selbst beginnt nach dem eigentlichen Ereignis mit der Untersuchung einer Luftsicherheits-Behörde. Die ungewöhnliche Dramaturgie zeigt den kurzen Einschlag von Wildgänsen in beide Triebwerke und die flugtechnische Meisterleistung aus verschiedenen Perspektiven: Die Suche nach der Wahrheit präsentiert den Ablauf mal dramatisch geschnitten wie im Katastrophen-Film, mal nüchtern aus dem Cockpit der beiden sehr ruhigen Piloten gesehen und sogar als Albtraum mit einem katastrophalen Crash mitten in New York.

Selbstzweifel quälen Sully, obwohl er tatsächlich als letzter das sinkende Luftschiff verlässt - korrekt in Uniformjacke mit dem Bordbuch in der Hand. Tom Hanks, der Jedermann des Hollywood-Films, ist nun ein ganz gewöhnlicher Flug-Kapitän. Um ihn herum ist alles erstaunlich unspektakulär. Die Vorwürfe der Flugaufsichts-Behörde gegen Sullenberger werden zu schnell abgeschmettert, um zur skandalösen Unrechts-Geschichte zu werden.

Der kurze Gerichtsfilm-Moment mit obligatorischer Rede legt offen, dass all die Computer-Simulationen, mit denen man Sullenberger falsches Handeln unterstellt, den menschlichen Faktor außer acht ließen. So verlängert Eastwood mit „Sully" das für New York so positive „Wunder auf dem Hudson" in ein Loblied darüber, was alles machbar ist, wenn gute, bescheidene und einfache Menschen einfach zusammenarbeiten. Wenn die beiden Piloten mit ihren altmodischen Schnurrbärten mit ganz leichtem Stolz sagen „Wir haben unseren Job gemacht", dann hört man das Eastwood selbst knurren. Das ist ziemlich einfach und konservativ gedacht - wie auch anders, bei einem 86-Jährigen. Ob man es naiv oder positiv nennen will, darf jeder selbst entscheiden. Gut und interessant gemacht ist auch dieser Eastwood auf jeden Fall.

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