3.4.16

Unter dem Sand (2015)

Dänemark, BRD 2015 (Under sandet) Regie: Martin Zandvliet mit Roland Møller, Mikkel Boe Følsgaard, Louis Hofmann, Joel Basman 101 Min. FSK: ab 12

Dänen können auch Kriegsfilme, das hat zuletzt die 10-teilige TV-Serie „1864" gezeigt, das wird der sehr aktuelle Afghanistan-Film „A War" (Krigen) zeigen, der nächste Woche anläuft. „Unter dem Sand" ist ein fast altmodischer Kriegsfilm, wie Wickis „Die Brücke" an der dänischen Nordseeküste.

(Wobei Wicki kein Wikinger, sondern der Regisseur Bernhard Wicki, „Die Brücke" keine dänische Kriminalreihe aus dem Jahr 2012, sondern ein Antikriegsfilm aus 1959 und „Unter dem Sand" sowohl ein Abschiedsfilm von François Ozon aus 2000 als auch diese dänisch-deutsche Ko-Produktion ist. Glückwunsch zu einer tollen deutschen Titel-Wahl!)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 bekommen ein paar deutsche Jungs, die in letzter Minute zum „Volkssturm" eingezogen wurden, im befreiten Dänemark eine tödliche schnelle Ausbildung zu Minenräubern. Denn die deutschen Besatzungstruppen hatten in Erwartung der alliierten Invasion an der falschen Stelle, nämlich am Nordseestrand, wo man jetzt gerne Urlaub macht, 2,2 Millionen Minen vergraben. Freundlicherweise die Sauerei gleich sauber kartiert. Da Deutsche gefälligst den Dreck von Deutschen aufräumen sollen, bekommen elf minderjährige Jungs die Aufgabe, einen Strandabschnitt von 45.000 Tretminen zu säubern, dann können sie nach Hause. Schon bei Kurz-Lehrgang jagt sich der erste in die Luft.

Dem sadistischen Hauptmann Ebbe Jensen (Mikkel Boe Følsgaard) folgt der fürsorgliche Unteroffizier Carl Rasmussen (Roland Møller), der sie immerhin mit „Jungs" anredet, ihnen anfangs aber weniger Fürsorge zukommen lässt als seinem Hund. Meter für Meter stochern sie voller Angst im Sand herum, drehen dann mit zitterigen Fingern die Zünder aus den Minen. Ohne Essen ist ein Schwächeanfall ebenso tödlich wie fast das Rattengift auf dem Getreide vom Bauernhof nebenan, wo es von der dänischen Bäuerin nur Hass gibt. Was die Volksstürmer selbst im noch nicht lange vergangenen Deutschen Reich gemacht oder wie sie dazu stehen, wird nie erwähnt. Hier am Strand sind sie noch Kinder, Opfer und glücklich beim Fußballspiel.

Film-Meter für Meter schreitet die fast altmodisch gradlinige Geschichte in ihrem klaren Verlauf voran. Unter einer sanften Frühlingssonne entspannen sich die geschundenen Gesichter sowie die Fronten zwischen Bewacher und dem jugendlichen Kanonenfutter. Manchmal wirkt das kleine Lager wie eine entspannte Strandfreizeit mit friedlichen Momenten, doch unter dem Sand droht jederzeit überall der Tod. Ein hoch spannender Stoff, denn überall „Unter dem Sand" lauern Horrorszenen zerfetzter Körper, die man heutzutage ganz real auf viele Länder und auch Kunden der deutschen Waffenindustrien übertragen kann. „Unter dem Sand" ist so eine universelle und sehr aktuelle Kriegs-Warnung, als dänischer Film allerdings sowohl in Darstellung als auch in der Psychologie nicht so radikal wie die meisten anderen filmischen Explosivstoffe des Landes.

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