29.6.15

Ich seh, ich seh

Österreich 2014 Regie: Veronika Franz, Severin Fiala mit Susanne Wuest, Lukas Schwarz, Elias Schwarz 100 Min. FSK: ab 16

„Ich seh, ich seh" ist ein echter Horrorfilm, abseits der US-Fließband-Produktionen und deshalb um so wirkungsvoller: Zwei Jungs spielen in Wäldern und auf Wiesen. Zuhause bekommt die Idylle das Gesicht des Horrors, denn ihre Mutter zeigt sich nach einer Operation mit bandagiertem Kopf. Der erste Schock wandelt sich in einen Zweifel, weil sich die extrem strenge bis gewalttätige Mama beim „Was bin ich?"-Spiel selbst nicht erkennt. Es fehlt auch ein Muttermal und deshalb kommen die Zwillinge zum Entschluss: „Wir wollen unsere Mama zurück, du bist nicht unsere Mama!" Der gegenseitige Psychokrieg eskaliert. Und mit dem Zwillingsbruder stimmt auch irgendwas nicht. Jedenfalls ignoriert die Mutter einen von beiden total.

Nicht nur der Österreicher Dialekt, auch die Unerbittlichkeit im Grausamen von „Funny Games" verorten „Ich seh, ich seh" in der vergletscherten Gesellschaft der Alpenrepublik. Unterstützung erhielten Veronika Franz und Severin Fiala vom Produzenten Ulrich Seidl („Paradies"-Trilogie), doch mit sehr kunstvoll komponierten Bildern, schaurigen Albträumen, einen Terrarium voller Schaben und dem auch ohne Spiegel immer wieder nett umgesetzten Zwillingsmotiv entstand ein ganz eigenständiger und reizvoller Horror, der eher bei Cronenberg anzusiedeln ist und öfters unter die Haut geht. Der Bogen von der horrend lieblichen „Guten Abend, gute Nacht"-Originalaufnahme der Trapp-Familie bis zum schaurigen Familien-Schlussbild des Films ist ein gelungener.

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