15.6.15

Big Game

Finnland, Großbritannien, BRD 2014 Regie: Jalmari Helander mit Samuel L. Jackson, Onni Tommila, Felicity Huffman, Jim Broadbent, Ray Stevenson 91 Min. FSK: ab 12

Zu den Großen Tieren, die Hollywood gerne jagt, gehören neben Löwen, Bären und Haien auch US-Präsidenten. Der junge Finne Oskari hingegen will erst mal nur irgendwas erlegen beim Männlichkeits-Ritual seines Dorfes. Wie aus der schwierigen Bewährung für den nicht besonders martialischen Jungen doch noch die Hatz auf einen abgeschossenen Präsidenten wird, verläuft sensationell spannend, witzig und eindrucksvoll.

Mutig ist der 13-jährige Oskari (Onni Tommila) schon, dass er überhaupt diesen rituellen Jagd-Ausflug mitmacht, um mit möglichst eindrucksvoller Beute einen Platz in der Ahnengalerie des Ortes zu erlangen. Aber so oft er es seinem ruppigen Vater auch versichert, dieser eher schmächtige Junge ist noch nicht reif, um Jäger zu werden. Trotzdem bricht er alleine, nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet, in unwegsame Wälder und eindrucksvolle Berglandschaften auf.

Ein anderes großes Tier wird gerade über den Wolken aus seinem Versteck gescheucht: Im Präsidenten-Flieger bricht beim Anflug auf Helsinki ein Feuer aus, US-Präsident William Allan Moore (Samuel L. Jackson) wird mit einer Landekapsel evakuiert und fällt Oskari fast auf den Kopf. Das begleitende Feuerwerk ist gigantisch, weil auch die Air Force One komplett abstürzt. Ein verräterischer Insider hat den Staatsführer zum Abschuss freigegeben. Der wahnsinnige Ölscheich Hazar (Mehmet Kurtulus) ist auf dem Weg, das Fallobst einzusammeln. Weil Oskari den orientierungslosen Moore aber zuerst findet, wird die Jagd des Jungen dauernd von anderen Jägern gestört...

Zwei Welten knallen hier mit einem phänomenalen Crash zusammen: Ein verschnarchtes finnisches Dorf mit überkommenen Ritualen und der angeblich „mächtigste Mann der Welt" ziemlich hilflos in dieser Wildnis. Aber auch das bekannte Hollywood-Kino, das wieder mal mit viel Material-Aufwand seinen Präsidenten retten muss, sowie eine sehr sympathische und super gespielte Jugend-Geschichte um den eigenen Weg, der manchmal ganz anders verläuft, als von den Älteren vorgegeben. Der Mix aus weltbekannten und lokalen finnischen Darstellern funktioniert hervorragend. (Dass dabei der Deutsche Mehmet Kurtulus den arabischen Psychopathen Hazar spielt, nehmen wir erfreut hin.) Ebenso wie der Mix aus spektakulärem Action-Kino und gut erzählter Geschichte.

Da geht so weit, dass die Figuren anfangs tatsächlich Finnisch sprechen, aber bevor man sich fragt, wie wohl Samuel L. Jackson auf Finnisch klingt, wechseln die Einheimischen doch freundlicherweise ins Englische mit nettem Akzent, der an Björk erinnert. Gut getimt sind auch die Wechsel zwischen Laut und Leise, zwischen oft origineller Rennerei und ebenso witzigen Gesprächen am Lagerfeuer mit dem kleinen Jäger Oskari und dem gejagten Politiker.

Wobei das ungleiche Verhältnis erst mal geklärt werden muss: Da fragt der aufgeweckte Junge den Alien ganz genregemäß „Did you come in peace?" (Kommst du in friedlicher Absicht?), und der Präsident will direkt Oskaris Fahrzeugt für die Vereinigten Staaten in Beschlag nehmen. Doch Macht ist relativ, hier in den Wäldern landet der Staatsmann ganz schnell auf dem Boden der Tatsachen. Was man Jackson in jeder Minute abnimmt. In einem weiteren großartigen Auftritt übernimmt Jim Broadbent als schrulliger, pensionierter CIA-Chef Herbert mit einem dicken Sandwich in der Hand die Leitung der us-amerikanischen Krisenzentrale. Wobei es immer deutlicher um einen Staatsstreich geht.

Einen Oscar wird Oskari wohl nicht von seiner Jagd mit nach Finnland bringen, dafür ist der Film dann doch zu wenig „originalsprachig". Aber der rundherum gelungene „Big Game" ist ein großartiges Beispiel für die Selbsterneuerung, die Hollywood immer mit frischem Blut und kreativen Infusionen aus dem Ausland betreibt.

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