27.4.15

The Gunman

Spanien, Großbritannien, Frankreich 2015 Regie: Pierre Morel mit Sean Penn, Javier Bardem, Ray Winstone, Mark Rylance, Jasmine Trinca 115 Min. FSK: ab 16

Sicherheitsfirmen machen Politik und Krieg für multinationale Konzerne. Das Urteil Mitte April gegen vier US-Söldner der Firma Blackwater zeigt, wie real diese Situation ist. Sean Penn hängt sich nun als „The Gunman" mächtig und sehr austrainiert rein, um aus dem Politikum einen spannenden Film zu machen. Seine Figur, der Söldner Jim Terrier, sorgt erst mit einem politischen Mord für Unruhen im Kongo und muss Jahre später vor seinen eigenen Auftraggebern fliehen.

Jim Terrier (Sean Penn) schützt 2006 im Kongo Mitarbeiter von Hilfsorganisationen - vorgeblich. Denn im Hintergrund arbeitet er für einen multinationalen Konzern, der die Mineralien des Landes ausbeuten will. Als ein Minister des Landes die Verträge mit den Multis kündigt, erschießt Jim den Politiker und verlässt fluchtartig den Kontinent sowie seine Liebe Annie (Jasmine Trinca). In den ausbrechenden Unruhen schützt und „übernimmt" Jims eifersüchtiger Chef Felix (Javier Bardem) die engagierte Ärztin. Erst acht Jahre später sieht Jim sie wieder. Mittlerweile wird er von Auftragsmördern verfolgt, all seine Kollegen sind mittlerweile tot. Er erhofft sich Aufklärung und Hilfe von Felix, entdeckt aber schnell, dass dieser tief im schmutzigen Söldner-Geschäft mit drinsteckt.

Was für vielversprechende Figuren und Konflikte! Der Auftragskiller, der von seiner eigenen Tat eingeholt wird, und dem das schlechte Gewissen die Liebe seines Lebens zerstört! Oder der Freund, der etwas zu offensichtlich nicht wirklich einer ist, und der für die begehrte Frau eine politische Katastrophe mit zahllosen Toten auslöst. Leider kümmert sich „The Gunman" nicht um all diese Möglichkeiten eines feinen Dramas mit exzellenten Schauspielern.

Der Thriller nach einem Roman von Jean-Patrick Manchette konzentriert sich auf die politische Anklage und eine Menge gute Action. Dazwischen lassen er und das Drehbuch Lücken, die man nur mit einiger Begeisterung für Sean Penn übersehen kann. Penn, der mit seinen Rollen („Dead Man Walking", „Milk"), aber auch „privat", sehr engagiert für „gute" Zwecke kämpft. Etwas grenzwertig ist es hier schon, all diesen einzelnen fein definierten Bauch- und Brustmuskeln des Mitt-Fünfzigers so viel Aufmerksamkeit zu widmen. Zwar gewann Regisseur Pierre Morel mit „96 Hours" und Liam Neeson reichlich Erfahrung mit dem Aktivieren älterer Herren für das Action-Kino, aber Penn kann doch so viel mehr, als immer nur sein Hemd ausziehen!

Ebenso aufgeklebt wie das Musketier-Bärtchen wirkt da die zusätzliche Last einer Überforderung des Hirns, die ausgerechnet bei Stress Schmerzen und Ausfälle verursacht. Wie viel besser setzte doch der belgische DeNiro Jan Decleir diese Idee in „De zaak Alzheimer" von Erik Van Looy um!

So bleibt ein gemischtes Gefühl bei einem angenehm unhektischen, aber dann im Stierkampf-Finale doch sehr spannenden Thriller: Penn will in ganz üblen Machenschaften bohren, hat ein Anliegen, das leider sehr real ist. „The Gunman" macht das deutlich, macht es sich und unseren Gefühlen aber dann mit einer groben Dramaturgie auch zu leicht.

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