5.4.15

Elser

BRD 2015 Regie: Oliver Hirschbiegel mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow 144 Min. FSK: ab 12

Die Freiheit vor der Nazi-Zeit zeigt sich in Bildern von Natur und ausgelassenen Feiern an Bergseen. Georg Elser ist dabei ein eigenwilliger, vergeistigter Handwerker, der sich nicht mit einer Frau zufrieden gibt. Ein Freigeist. Aber auch einer, der sich um die Familie kümmert, weil der Vater daheim alles versäuft. Kaum zurück im heimatlichen Dorf gewinnen dann die Nazis nach der Wahl von 1933 die Oberhand. Es ist interessant zu sehen, wer sich jetzt wendet und wer sich wehrt. Schon vorher prallten Rote auf Braune im Dorf, aber der Pazifist Elser ist kein Parteimitglied und prügelt sich nicht mit: „Gewalt hat noch nie was gebracht!"

Jetzt treten die frechen braunen Fratzen überall unverschämt auf. Elser verliert den eigenen Hof, nimmt aber sogar einen Job in der verhassten Fabrik an, weil mittlerweile der Plan zum Attentat auf Hitler in ihm gereift ist. So fertigt Elser eine Zeitbombe an, versteckt sie in mühsamer, nächtlicher Arbeit im Münchner Bürgerbräukeller und kann die Weltgeschichte doch nicht ändern, weil Hitler am 8. November 1939 ganze 13 Minuten zu früh die Veranstaltung verlässt. Georg Elser wird auf der Flucht verhaftet und landet bei der Gestapo.

Klaus Maria Brandauer würdigte Elser bereits 1989 mit der Hauptrolle in seinem Regiedebüt „Georg Elser – Einer aus Deutschland". Nun nimmt sich Oliver Hirschbiegel Georg Elser vor, der TV-Regisseur, der sich mit dem unsäglichen „Der Untergang" als GröHiVer (Größter Hitler Verhunzer) schuldig gemacht hat. „Elser" ist jedoch vor allem ein Film des erfahrenen Ko-Autors Fred Breinersdorf, von dem auch „Sophie Scholl - Die letzten Tage" aus 2005 stammte. (Dessen Regisseur Marc Rothemund verschwand damals wieder in der Belanglosigkeit flacher Beziehungskomödien.) Nun also noch so eine Geschichte vom deutschen Widerstand, der faktisch seltener auftrat als er auf der Leinwand zu sehen ist. Georg Elser wird in den interessanteren Strecken der, exakt wie „Sophie Scholl", aus der Haft rückerinnernden Erzählung, als kluger Freigeist geschildert. Dass jemand ganz alleine denkt und handelt, können die üblichen Nazi-Schergen nicht verstehen, was zu intensiver Folter führt. Als „Sophie Scholl 2" könnte man dieses Stück Gutdeutschentum bezeichnen. Eine obligatorische deutsche Vergangenheits-Ausleuchtung, die in dieser Form mehr lästige Bewältigung als dringend notwendige Vermittlung darstellt.

Elser nennt zu Beginn seinen Namen nur unter Folter. Das versteht man nicht und schreibt die grausamen Szenen einer zu heftigen Dramaturgie zu. Der Quadratschädel von der Schwäbischen Alb ist in den Händen vom Chef des Reichskriminalamts Arthur Nebe (Burghart Klaußner) und Gestapo-Leiter Heinrich Müller (Johann von Bülow), die Good Nazi und Bad Nazi spielen. Das ist bis zur Hinrichtung von Nebe selbst, der zum Kreis der Attentäter vom 20. Juli 1944 gerechnet wurde, ein uninteressantes Stück Glorifizierung von Widerborstigkeit in aussichtsloser Situation. Die Rückblenden in die Zeit des Machtwechsels, aufgefrischt mit einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte zur verheirateten und geschlagenen Elsa (Katharina Schüttler), machen es allerdings mit vielen klugen Beobachtungen vorstellbarer, wie der Nationalsozialismus seine breite Unterstützung in der Bevölkerung fand. So half auch der technische Fortschritt in Form des Films, selbst das kleinste Dorf zu nazifizieren. Zum Entnazifizieren taugt „Elser", dieser nur stellenweise gelungene und oft langweilende Film, nicht besonders, zum Aufmerksammachen allerdings schon.

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