27.4.15

Die Gärtnerin von Versailles

Großbritannien 2014 (A little chaos) Regie: Alan Rickman mit Kate Winslet, Matthias Schoenaerts, Alan Rickman, Stanley Tucci 116 Min. FSK: ab 0

Die in Architektur gegossene Inszenierung der Macht von Ludwig XIV. und seinen Gartenanlagen von Versailles bleibt faszinierend. Der berühmte britische Schauspieler Alan Rickman pflanzt nun neben den realen Gartenarchitekten des Hofes, André Le Nôtre, und das real existierende Ballsaal-Boskett im Park des Schlosses die fiktive Geschichte von dessen Architektin Sabine De Barra. Kate Winslet legt „Die Gärtnerin von Versailles" als selbständige „Frau von heute" sehr geerdet und als Gegenpol zum höfischen Regelzwang an.

Gleich zu Beginn versetzt Sabine De Barra (Kate Winslet) in einem Pflanzenarrangement einen Buchsbaum aus dem Zentrum - ein Sakrileg! Denn dass der ganze Hof um den Sonnenkönig kreiste, musste immer wieder in Tanz und Symbolik eingeübt werden. Der an solche Zwänge gebundene Hofgärtner André Le Nôtre (Matthias Schoenaerts) ist vom Chaos in den Entwürfen zur Bewerbung der selbständig arbeitenden Witwe deshalb fasziniert. Um die Konventionen zu erfüllen, ohne zu langweilen - das Grundproblem künstlerischer Äußerung - lässt er die Außenseiterin in den Gärten des neuen Regierungssitzes Versailles den „Ballsaal", eine Tanzinsel unter freiem Himmel, eingerahmt von einer Wasserkaskade bauen.

Die Faszination bleibt nicht beruflich, die ehrliche, natürliche und ungezwungene Bürgerliche begeistert am Hofe auf Anhieb und gibt sogar dem König anhand einer Vierjahreszeiten-Rose eine Lektion in Sachen Achtung der Frauen, auch wenn ihre Schönheit verblühen sollte.

Der fast 70-jährige Alan Rickman ist bekannt als Professor Severus Snape aus „Harry Potter" und den Älteren als charismatischer Oberschurke Hans Gruber aus „Stirb langsam". Nach dem feinen und trefflichen „The Winter Guest", der nie in deutsche Kinos kam, ist „Die Gärtnerin von Versailles" seine zweite Kinoregie, in der er selbst am Rande (Sakrileg!) Ludwig XIV. spielt. Eine historische, aber nicht angestaubte Liebesgeschichte, ein fein gezeichneter Außen-Blick auf Menschen bei Hof, der bekannte Klischees gänzlich meidet und seine Figuren individuell aufleben lässt.

Kate Winslet wirkt als Gärtnerin von Versailles nie wie ein Star. Mit ernstem und entschlossem, etwas grimmigem Blick packt sie selbst mit an, reißt Efeu raus und wühlt in der Erde. Der raue Belgier Matthias Schoenaerts ist hier nicht der übliche schmierige Höfling, sondern bringt seine Ecken und Kanten aus „The Drop", „Loft", „Der Geschmack von Rost und Knochen" und vor allem „Bullhead" mit.

„Die Gärtnerin von Versailles" ist ein fast undramatisches Plädoyer für unverstellte Natürlichkeit in einer Umgebung voller Regeln und Normen. Ausgerechnet im Rahmen der Integration einer gezähmten Natur in die Hof-Landschaft von Versailles feiert der sympathische Film mit seinem großartigen Schauspiel das „bisschen Chaos" des Originaltitels.

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