1.8.17

Die göttliche Ordnung

Schweiz 2017 Regie: Petra Volpe mit Marie Leuenberger, Max Simonischek, Rachel Braunschweig, Sibylle Brunner 96 Min. FSK: ab 6

Während Anfang der 70er in der Welt Summer of Love und Frauen-Emanzipation toben, bewegt sich in einem verschneiten Schweizer Bergdorf gar nichts. Nora (Marie Leuenberger) macht ihren Job als Hausfrau und Mutter, derweil sie von einer großen Welt träumt. Es braucht für heutiges Publikum ein paar Erklärungen der schwer vorstellbaren Situation, dass 1971 noch um das Frauenwahlrecht in der Schweiz abgestimmt werden musste und dass ein Ehemann es genehmigen muss, wenn seine Frau arbeiten will. So erleben wir mehrere Frauen-Schicksale im, Noras 18-jährige Nichte Hanna wird von ihren Eltern den Behörden übergeben, weil sie im Dorf einen schlechten Ruf hat. Es gibt die lebensfrohe italienische Restaurant-Chefin, die geschieden - Skandal! - ohne Mann zurecht kommt. Also Nora sich für das Frauenwahlrecht engagiert und beginnt, Hosen zu tragen, trifft sozialer Druck im Dorf auch die Kinder und am Arbeitsplatz den Mann.

Der Erfolgsfilm aus der Schweiz eines kleinen Kampfes für das Frauenrecht ist als große Geschichte inszeniert, schön gefilmt, sehr gut gespielt, durch die Musik (Annette Focks) stark dramatisiert und immer vorhersehbar. Was nicht nur daran liegt, dass die Suffragetten diesen Kampf ein Jahrhundert früher ausfochten. Aber nebenbei auch zeigt, wie universal und noch immer umstritten der Feminismus ist. Regisseurin Petra Volpe gestaltete ihre Geschichte wenigstens nicht schwarzweiß, Noras Mann will durchaus für das Frauenwahlrecht stimmen, obwohl er meint, dass eine Frau hinter den Herd gehört. Doch erst einmal machen die Frauen auf Lysistrata und streiken. Die Kinder müssen ihr Geschirr abwaschen und werden nicht mehr von der Mutter bedient. Das Paket aus Drama und Spaß funktioniert - für die Lacher lernen die Frauen um Nora in einem Züricher Workshop auch noch ihre Vulva kennen. Es bleibt eine Wertschätzung, diese hart erkämpften Errungenschaft zu schätzen und nicht in irgendeinem Post-Feminismus klein zu machen.

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