16.7.17

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

Frankreich 2017 (Valerian and the City of a Thousand Planets) Regie: Luc Besson mit Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Ethan Hawke 137 Min.

Als Mix aus „Blade Runner", „Star Wars", „Das fünfte Element", „Avatar" und LSD trumpft die wahrlich fantastische Comic-Verfilmung „Valerian - Die Stadt der tausend Planeten" auf, mit der Luc Besson nach „Lucy" und „Malavita" mal wieder sein Können auch als Regisseur beweist. Im Herzen des eindrucksvollen Bilder- und Idee-Rausches zeigt sich ein starkes, antimilitaristisches Plädoyer für Völkerverständigung.

Mit „Space Oddity" von David Bowie beginnt - hier - die Geschichte der Raumfahrt. Im Laufe der Jahrhunderte entstand aus der IS-Raumstation die Stadt und Förderation der Tausend Planeten. Wie in der großartigen Eröffnungssequenz (mit Rutger Hauer aus „Blade Runner") die Station Alpha um viele Nationen und schließlich auch Außerirdische wächst, ist herrlich komisch und eine Utopie, die in der Realität gerade eingespart wird. Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) sind im 28. Jahrhundert Raum-Agenten für die Regierung, die mit banalem Partner-Gezicke den Ton für zynische oder ironische Sprüchen am laufenden Lichtjahr vorgeben.

Den ersten Einsatz erledigen sie, gekleidet wie Strand-Touristen, in einem gigantischen interplanetarischen „Big Market" auf mehreren virtuellen Ebenen. Was zu ganz neuer, sehr reizvoller Action führt, in der man die Helden im leeren Raum gegen irgendwelche unsichtbaren Gegner kämpfen sieht. Das ist ein großer Zukunfts-Blick auf die aktuellen VR-Brillen, und auch an Amazons Alexa muss man denken bei der virtuellen Raumschiff-Assistentin Alex. Die Version von Alexa als Kampf-Roboter verhindert später sprachgesteuert fast auf brutale Weise das Happy End. Doch zuvor begeistert die traumhafte Eröffnungssequenz um den paradiesischen Planeten Mul mit seinen wunderschönen Kreaturen, die im Stile von „Avatar" im Kreislauf der Natur leben und durch den intergalaktischen Krieg der Menschen vernichtet werden.

Selbstverständlich liest uns auch dieses vertriebene Volk die Leviten: Sie haben viel gelernt und wollen keine Rache. Neben dem nebenher eingeflochtenen Konzept der Seelenwanderung schneidet „Valerian" auch andere große und längst nicht bewältigte Themen an: „Wer keinen Frieden mit seiner Vergangenheit macht, hat keine Zukunft." Dieser Satz gilt nicht nur dem General (Clive Owen), der einen Genozid auf dem Gewissen hat. Auch einige Länder, in denen der Film erfolgreich laufen wird, müssen ihn auch bedenken. Selbst das zynische Argument, eine Ausgleichszahlung für die Verbrechen würde die heimische Ökonomie schädigen, wird hier schon vorweg genommen. Bei einer Serie mal dominanter, mal peinlicher, mal schleimiger Handschläge zwischen den neuen Bewohnern der Raumstation bis zum Satz „Our Citizens first" muss man übrigens sogar an Trump denken.

Die französische Comic-Serie „Valérian et Laureline" (dt.: „Valerian und Veronique") von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin, erstmals erschienen 1967, feierte schon früh die universale Vielfalt der Kreaturen, die sich später in den Bars von „Star Wars" tummelte. Obwohl sie eigentlich Laureline, aber in Deutschland aus den üblichen unerklärlichen Gründen Veronique und in Dänemark etwa Linda hieß, war Valerians Partnerin keineswegs austauschbar wie die Bond-Girls. Meistens rettete Laureline der Hauptfigur den Kragen. Dane DeHaan („Life", „Spiderman") gelingt der spöttische, aber doch sensible Action-Held. Cara Delevingne („Margos Spuren") darf kämpfen, etwas schmachten und Liebes-Lektionen erteilen. Ethan Hawke hat einen kurzen Auftritt als Zuhälter-Cowboy, sein „Mädel", Pop-Sängerin Rihanna, legt einen Pole-Dance hin. Der Soundtrack, der unter Mitwirkung von Herbie Hancock entstand, beginnt klassisch mit Bowies „Space Oddity" und mischt einige populäre Songs („Staying Alive") als Cover unter.


„Ein Soldat wählt immer den Tod vor der Erniedrigung"
„Valerian" gehört zu der Art klugem Science Fiction wie „Arrival", in dem Gewalt und Militär abgelehnt werden. Das große Weltraum-Kriegsspektakel ist hier nur ein Verbrechen, das die Vertreibung aus dem Paradies verursacht. Mit dem konsequenten Verzicht auf übermäßige Action geht dabei keineswegs der Verlust von Spannung oder Unterhaltungs-Wert einher.

Auch in der Verfilmung ist Valerian der eher wagemutige als clevere Raum-Agent. Die gigantische Station Alpha ist teils gewaltig mechanisch, aber in Zonen anderer Lebewesen auch ozeanisch oder elektronisch. Das Einsatzfahrzeug beim Big Market erinnert an das Taxi von Bruce Willis aus „Das fünfte Element", auch wenn es diesmal ein gelber Bus ist. Die Straßenschluchten wirken noch eindrucksvoller als damals oder als in „Blade Runner", auch weil sie diesmal in lohnenswertem 3D sind. Zwischendurch erinnern die Abstürze durch viele verschiedene Ebenen an Computerspiele, doch so farbig und einfallsreich lässt man sich das gerne gefallen. Auch der übliche einfallslose Standard-Kram wie Verfolgungsjagden oder Sidekicks taucht nur angenehm dosiert auf. Irgendwann ist in der abfolge fantastischer Szenen nur noch schwer eine Steigerung möglich, so dass der optische und Ideen-Overkill auf hohem Niveau stagniert. Ausufernde Zwischenepisoden hätten gekürzt werden können, doch wie sagt es Valerian selbst: „Time flies when you're having fun"!

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