30.7.17

Planet der Affen: Survival

USA 2017 (War for the Planet of the Apes) Regie: Matt Reeves mit Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, Terry Notary, Amiah Miller, Karin Konoval 140 Min. FSK: ab 12

Nach „Rise - Aufstand" und „Dawn - (Morgen-) Dämmerung" nun also „War - Krieg" für den „Planet der Affen". Die deutsche Vermarktung gibt dem dritten Teil der aufsehenerregenden neuen Kinoserie wieder einmal einen völlig sinnentfremdeten Titel: Das Werk heißt im Original „War for the Planet of the Apes", also Krieg für den Planet der Affen. Man könnte auch sagen: Menschen-Krieg.

Nach der Menschwerdung der durch einen Virus intelligenter gewordenen Affen, das gleichzeitig fast die gesamte Menschheit und deren Infrastruktur ausradierte, versteckt sich das Volk des Ober-Affen Caesar (Andy Serkis) in den Wäldern Nord-Kaliforniens. In der ersten der beiden eindrucksvollen Action-Szenen, zu Beginn und am Ende, wehren sie einen Angriff menschlicher Soldaten ab. Caesar vergibt den überlebenden Angreifern und lässt sie frei - in der Hoffnung auf Frieden. Doch Colonel McCullough (Woody Harrelson), der Führer der Soldaten selbst, wird wiederkommen und Caesars Frau und Sohn ermorden.

Nun sieht anscheinend auch ein Affe rot - die Menschwerdung der hochentwickelten Tiere, die in „2001" noch in einigen Sekunden erfolgte, verläuft hier über drei bemerkenswerte Filme. Caesar lässt sein Volk alleine weiter ziehen, um sich persönlich am Colonel zu rächen. Das ist weiterhin großes Charakter-Drama und diesmal auch ein Western mit biblischen Anlehnungen.

Das Quartett verschiedener Affen, das sich mit Pferden auf den Weg zur verschneiten Berg-Festung des Colonels macht, nimmt sich eines Mädchens (Amiah Miller) an, das wie die meisten Affen nicht sprechen kann. Sie leidet an einer mysteriösen Krankheit, deren Opfer vom Colonel sofort umgebracht werden. Immer noch ist das eine große Gebot, dass ein Affe keinen anderen töten soll, eine Maxime für dieses Volk, auch wenn Caesar selbst diese Linie einmal übertreten hat. Doch im Vergleich jedoch zu dem, was Menschen einander antun, war die Ermordung des vor Hass wahnsinnigen Kobas im zweiten Film nur ein Streichelzoo. Diesmal erreicht das Grausen angesichts von „Menschlichkeit" eine neue Dimension durch den Colonel als Verkörperung des Kurtz'schen Wahnsinns aus „Das Herz der Finsternis" und „Apocalypse Now".

Mit dem Graffiti „Ape-pocalyse Now" macht Regisseur und Ko-Autor Matt Reeves den Bezug zu Ausbeutung und Sklaverei sehr deutlich. Wenn Harrelson als Colonel über der Felsen-Festung thront und zur USA-Flagge einen heiligen Krieg ausruft, wird etwas unübersichtlich, wem hier alles nachgeäfft wird: Caesar leitet wie „Spartacus" den Gefangenen-Aufstand und leidet am Kreuz. Der Vietnam-Krieg mit Hubschrauber-Attacken (diesmal ohne Wagners Walküren) verweist auf die wirklich furchtbare Realität tatsächlicher Menschen-Kriege. Und die Bibel, ja die Bibel wird von demnächst eine Copyright-Klage starten. Zu dick ist die Moses-Parallele aufgetragen, wenn Caesar sein Volks im Exodus führt, aber das gelobte Land nur sehen und nie betreten kann. Zu sehr hält sich der Film eine Weile am Ausbruchs-Genre fest.

Dann folgt allerdings auch ein mächtig rührender und menschelnder Schlusspunkt, wie überhaupt die Wirkung der enorm expressiven Mimik im computer-generiertem Affenfell ungeheuer eindrucksvoll geriet. Zwar spricht Caesar als einziger Affe, alles andere ist Äffisch mit Untertiteln (ein Killer für Deutsche, die im Kino ja alle plötzlich nicht mehr lesen können), doch versteht man diese Wesen, die weiterhin die besseren Menschen sind, nur allzu gut. Dabei wird die großartige Musik von Michael Giacchino mal nicht als emotionaler Krückstock gebraucht. Sie ist eigentlich zu gut, weil auffällig, und bei Action wie in ruhigen Momenten oft das Spannendste - auch wenn der Rest keineswegs langweilig ist. Bei dieser klassischen Western-Geschichte im Affen-Fell, bei der Menschwerdung der Kreaturen und der Animalisierung der Menschen, liegt im Mitgefühl für einander die große Hoffnung. Dass sich das Affen-Volk nun jenseits der Rockies niederlässt und eines Tages dort Filme drehen wird, wie die anderen Affen es heute tun, ist die einzige Sorge bei einer Film-Reihe, die kaum besser werden kann.

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