25.7.17

Paradies

Russland, BRD 2016 (Rai) Regie: Andrei Konchalovsky mit Julia Vysotskaya, Christian Clauß, Philippe Duquesne,
Peter Kurth, Jakob Diehl 131 Min.

Der russische Filmemacher Andrei Konchalovsky („Onkel Wanja", „Runaway Train", „Der innere Kreis"), Bruder von Nikita Mikhalkov, hatte eine sehr erfolgreiche Periode in Hollywood bevor er nach Russland zurückkehrte. Im 23. Film zeichnet der 79-Jährige in einer ungewöhnlichen wie fesselnden Form Gewalt und Faschismus nach. Die russische Adelige Olga (Julia Vysotskaya) wird in Paris verhaftet, als sie jüdischen Kindern bei der Flucht hilft. Zwar kann sie einen französischen Polizisten verführen und manipulieren, um der Folter zu entgehen, doch als dieser erschossen wird, kommt sie ins KZ. Dort trifft sie auf den jungen adligen Militär Helmut (Christian Clauß), einen linientreuen Hitler-Fan, dessen Familie eine lange Kriegsgeschichte mit Frankreich hat. Als Offizier leitete er Deportationen in Osteuropa und kontrolliert nun das Lager, in dem er in Olga seine ehemalige Liebe aus Italien wiedererkennt.

Die Spielfilmhandlung wird unterbrochen von in die Kamera gesprochenen Verhören der drei Personen in Sträflingskleidung. Eine unbestimmte, spannende zweite Ebene, in welcher der Polizeichef selbst ein Gefangener ist. Die Lebensbeichten in drei Sprachen eröffnen reich und vielschichtig Aspekte um entsetzliche Erlebnisse im KZ. Die Montage um die extremen Gegensätze ganz unterschiedlicher Leben vorher und nachher, bei Herrenmenschen und Gefangenen, einer Liebe in Freiheit, den Abhängigkeiten im Lager. Andrei Konchalovsky erhielt in Venedig 2016 den Silberner Löwe für die Beste Regie.

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