3.7.17

Ihre beste Stunde

Großbritannien 2016 (Their Finest) Regie: Lone Scherfig mit Gemma Arterton, Sam Claflin, Bill Nighy, Jake Lacy 117 Min. FSK: ab 12

Die dänische Regisseurin Lone Scherfig („Italienisch für Anfänger", 2000) setzte zwar 2002 mit der schwarzen Komödie „Wilbur wants to kill himself" nach England über, doch sie eroberte fortan mit allen möglichen Genres und immer mit starken Frauen in Hauptrollen („Zwei an einem Tag", „An Education") die Leinwand. Nun erzählt sie von Catrin Cole (Gemma Arterton), die 1940 zwischen den Bombenangriffen des „Blitz" als Autorin die britischen Durchhalte-Filme um eine weibliche Perspektive für die Zuschauerinnen verstärken soll. Dabei gerät sie direkt mit dem arroganten Alt-Star Ambrose Hilliard (Bill Nighy) aneinander, der Frauen nur als Fans akzeptiert. Selbst Catrins Mann, ein erfolgloser Maler, gehört zu den Menschen, die Frauen vor allem zuhause sehen wollen. Wie auch die meisten Mitarbeiter im Filmstudio meinen, die Anwesenheit von Frauen (und osteuropäischen Immigranten) sei eine vorübergehende Kriegsfolge. Dass Catrin eine exzellente Schreiberin ist, erkennt vor allem der Chef-Autor Tom Buckley (Sam Claflin) - erst ihr Förderer, dann verliebt in sie.

Die heftige Geringschätzung Catrins und generell weiblicher Arbeit ist wie Trümmer und Leichen der deutschen Bombenangriffe ein weichgezeichnetes realistisches Element in dieser altmodischen Geschichte mit reihenweise erlesenem Schauspiel. Jeremy Irons gibt kurz den Kriegsminister, der das Filmgeschäft leitet, wie es Goebbels auf der deutschen Seite getan hat. Solche Gedanken kommen in diesem Film allerdings nicht vor. Er ist ungebrochen patriotisch. Der heroische Filmstoff, an dem gearbeitet wird, reflektiert das extreme Leben im Krieg und unter dem „Blitz". Wie auch das Filmemachen die zeitlose Rolle von Filmen reflektiert, die Menschen mit ihren vertrauten Abläufen Halt in chaotischen Zeiten geben. Da darf dann auch mal die wahre Geschichte der Zwillings-Schwestern, die mit ihrem Bötchen Soldaten aus Dünkirchen evakuieren, entgegen der Wahrheit aufgehübscht werden.

Hübsch sind hier die Bilder und die Hauptdarstellerin Gemma Arterton („The Girl with all the Gifts", „The Voices", „Immer Drama um Tamara"), die allerdings auch so exzellent spielt, dass sie selbst einen schlechteren Film retten würde. Komisch kommt „Ihre beste Stunde" daher, wenn das Team auf Befehl von ganz oben einen grinsenden US-Idioten ins Skript einbauen muss und die alte Diva Ambrose ihm das Schauspielen beibringen soll. Und selbstverständlich funktioniert auch „Ihre beste Stunde" wie sein Film im Film: Es geht nicht ohne großes Gefühl, nicht ohne eine Liebesgeschichte und ein Hund muss auch dabei sein. Zu Beginn ficht Catrin einen Kampf wie ihre Vorgängerinnen in „Suffragette" aus, später löst er sich scheinbar in Wohlgefallen und individueller Romantik auf. Letztlich bleibt aber vor allem das selbstbestimmte Glück einer erfüllten und anerkannten Tätigkeit.

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