17.7.17

Die Geschichte der Liebe

Frankreich, Kanada, Rumänien, USA 2016 (The History of Love) mit Gemma Arterton, Derek Jacobi, Sophie Nélisse, Elliott Gould 135 Min. FSK: ab 6

Der rumänische Regisseur Radu Mihăileanu beeindruckte 1998 mit seinem „Zug des Lebens", eine Tragikomödie über die Flucht eines jüdischen Shtetls vor der Deportation. Auch sein zweiter Erfolg, „Das Konzert" aus 2009, behandelte mit einem in Russland verfolgten jüdischen Dirigenten den Antisemitismus. Nun verfilmte Mihaileanu mit dem gleichnamigen Roman von Nicole Krauss einen geistesverwandten Stoff, in dem mehrere Generationen mit den Nachwirkungen von Verfolgung und Flucht leben.

Der künstliche verschachtelte Film folgt der langen Reise eines Manuskripts mit dem Titel „Die Geschichte der Liebe" von Polen in den 30er Jahren bis ins New York von heute. Im Shtetl liebte Leo Alma und Alma versprach, den besten Schriftsteller von drei konkurrierenden Freunden zu heiraten. Leo schreibt sein Buch über seine „meistgeliebte Frau der Welt", doch der Einmarsch der Deutschen lässt die schwangere Alma nach New York fliehen. Leo kommt erst nach, als Alma mit einem anderen verheiratet ist. Das Manuskript landet mittlerweile in Chile und wird durch Verrat in der spanischen Übersetzung ein Erfolg. Jahrzehnte später ist Leo (Derek Jacobi) in New York ein verbitterter alter Mann, der täglich im Buchladen nachfragt, ob „Die Geschichte der Liebe" mittlerweile veröffentlicht wurde. Er trifft auf ein trotziges Teenager-Mädchen, das auch Alma heißt und das einem berühmten Schriftsteller Kapitel eines gerade übersetzten Buches liefern soll...

Dieser knappe Rote Faden fasst kaum die unübersichtliche Vielfalt der Verbindungen und Verwirrungen um das Manuskript „Die Geschichte der Liebe" zusammen. Von den vielen Geschichten wird leider keine überzeugend präsentiert. Einige Szenen wirken so falsch wie der Kunst-Regen am Set. Einfach schlecht inszeniert - oder zumindest schlecht synchronisiert. Auch das Durcheinander der Ebenen und Zeiten aus dem Roman von Nicole Krauss verdichtet sich nicht zu etwas Großem, es irritiert nur. Beispielsweise damit, dass auf ein Pogrom in Polen ein Brand in New York folgt. Das könnte bedeutungsvoll sein, erschließt sich aber nicht. Die ach so große Liebe wirkt albern wie in einer burlesken Komödie. Ihr Drama besteht in langer Erklärung, nicht in großem Gefühl. Da kann selbst der Star Gemma Arterton („Tamara Drewe") nicht gegen anspielen. Unbeteiligt schaut man zu, wie ein Film scheitert, wo sich die Geschichten finden sollten. Vielleicht hätte es der Verfilmung gut getan, nicht einen verbitterten Hanswurst als Hauptfigur zu etablieren. Bei Leo bleibt man sogar ungerührt, wenn er mit seinem, von Deutschen umgebrachten, eingebildeten Freund streitend durch New York zieht. Zwei Generationen später wird das Leben als Holocaust-Überlebende auch im Teenager-Alter problematisiert: Alma muss entscheiden, ob sie an ihrem Schwarm vielleicht nicht nur die osteuropäische Vergangenheit einer „Survivor"-Familie fasziniert.

Auch die Großeltern der 1974 in New York geborenen Autorin Nicole Krauss („Kommt ein Mann ins Zimmer", „Das große Haus") waren Juden, denen rechtzeitig die Flucht aus Europa gelang. Ihr Roman „Die Geschichte der Liebe", der 2006 erschien, trägt so autobiografische Züge. Sie war mit dem Schriftsteller Jonathan Safran Foer („Alles ist erleuchtet", „Extrem laut und unglaublich nah") verheiratet. Regisseur Radu Mihăileanu ist Sohn von Holocaust-Überlebenden, doch merkwürdigerweise ist in dieser sicherlich sehr persönlichen Arbeit kaum etwas von persönlicher Leidenschaft zu spüren. Da war wohl der große Apparat des Filmemachens zu erstickend. Die Leichtigkeit, mit der sich Mihăileanus Kamera einst über schwerste Schicksalsschläge erhob, ist jedenfalls verschwunden.

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