4.7.17

Die Erfindung der Wahrheit

USA, Frankreich 2016 (Miss Sloane) Regie: John Madden mit Jessica Chastain, Mark Strong, Sam Waterston, Gugu Mbatha-Raw 132 Min.

Die hochintelligente, knallharte Lobbyistin Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) kümmert sich gerade für ihre Kanzlei darum, dass indonesisches Palmöl in den USA weiter günstig bleibt und der Preis von Nutella nicht steigt. Dann zeigt sie völlig unerwartet doch ethische Regungen - angesichts eines extrem zynischen Auftrages der Waffenlobby, mehr Frauen zum Waffenkauf zu bewegen. Elizabeth Sloane wechselt die Seiten zu der Kanzlei, die ein Gesetz gegen freien Waffenverkauf durchbringen will. Obwohl sie extrem fordernd und gnadenlos mit ihren Untergebenen umgeht, folgt ihr fast das ganze Team. Es beginnt ein spannender Kampf um die Stimmen von Kongress-Abgeordneten, parallel muss Miss Sloane (so der Originaltitel) ein Kongress-Verfahren gegen sich selbst überstehen.

Schon die Spionage und Gegen-Spionage, die Angriffe aus dem eigenen Team und die Live-Debatten im Fernsehen sind hoch-spannend. „Die Erfindung der Wahrheit" ist zwar ein Gerichtsfilm, aber vor allem durch Jessica Chastain („Zero Dark Thirty", „A Most Violent Year") auf ganz andere Weise packend. Dazu so ungemein schnell wie Elizabeth Sloane denkt und handelt. Sie tut alles für den Sieg, zerrt sogar das von einem Highschool-Amoklauf geprägte Privatleben einer Mitarbeiterin gegen deren entschiedenen Willen in die Öffentlichkeit.

Elizabeth Sloane ist eine extrem erfolgreiche und effektive Frau, aber auch extrem gestört. Ein auch durch Pillen am Laufen gehaltener Workaholic, beschäftigt in der „moralisch am meisten bankrotten Branche Washingtons", der die liberalen Gutmenschen um sich herum verspottet. Als Gegenpol versucht ihr neuer Chef Rodolfo Schmidt (Mark Strong) sie menschlich und sozial wieder auf den Boden zu bringen. Dazu hat sie noch mit einem Callboy (Jake Lacy aus „Ihre beste Stunde") zu tun, der ihr zu nahe kommen will. Chastain mit zu dickem Lippenstift auch äußerlich nicht sehr ambivalent gezeichnet. Während der Kongress-Anhörungen soll sie mit Hinweis auf ihre verfassungsgemäßen Rechte einfach nur die Aussage verweigern. Das ist jedoch eine unmögliche Aufgabe für eine derart wortgewaltige und von sich selbst eingenommene Person.

„Die Erfindung der Wahrheit" thematisiert das gleiche Dilemma wie in „No!", wo ein hervorragender Werbemanager die Kampagne gegen Pinochet gewinnt. Elizabeth Sloane macht in ein paar ihrer treffenden Sätze klar, dass man nicht persönlich betroffen sein muss, um gegen eine ziemlich bescheuerte Sache zu sein. Der Film von Altmeister John Madden („Best Exotic Marigold Hotel", "Shakespeare in Love", „Ihre Majestät Mrs. Brown") trumpft zwar mit atemberaubenden Wendungen auf, ist aber bei all seinen vielen Qualitäten vor allem ein packendes Porträt einer ungemein und über alle Maßen starken Persönlichkeit.

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