11.7.17

Begabt - Die Gleichung eines Lebens

USA 2017 (Gifted) Regie: Marc Webb mit Chris Evans, Mckenna Grace, Lindsay Duncan, Jenny Slate 101 Min. FSK: ab 6

Der erste Schultag ist immer aufregend, die siebenjährige Mary Adler (Mckenna Grace), die mit der Trachtenberg-Methode zum einfachen Lösen komplexer mathematischer Formeln bekannt ist, langweilt jedoch nicht nur das Einmaleins, auch die Mitschüler unterfordern sie. Die erste Klasse ist ein lahmer Witz für sie, doch Onkel Frank (Chris Evans), der sie erzieht und immer wieder von den Büchern zum Strand schleppt, schickt sie trotzdem hin, damit sie endlich Freunde findet. Er kennt das alles, auch er war hochbegabt und gilt jetzt als verkrachte Existenz. Und seine Schwester Diana galt als mathematisches Genie, bevor sie sich mit 22 Jahren umbrachte. Dank einer guten Lehrerin, die Mary herausfordert, scheint alles gut zu gehen. Bis Marys Großmutter Evelyn (Lindsay Duncan) auftaucht, die sie mit einem MacBook kaufen will, und deren ersten Auftritt sie mit „Holy Shit" kommentiert. Evelyn erweist sich als fast faschistischer Elite-Mensch, der die verstorbene Tochter, die fast das Navier-Stokes-Problem gelöst hat, als schwach bezeichnet. Nun soll Evelyns eigenes Scheitern auf dem Gebiet der Mathematik von der Enkelin aufgehoben werden. Beim Gerichtsstreit ums Sorgerecht wird viel schmutzige Wäsche gewacht und es kommt heraus, wie Evelyn die erste Liebe der Tochter mit einer Anzeige wegen Kidnapping bedrohte. Die Liebe eines - nicht biologischen - Vaters steht gegen die materialistischen Vor(ur)teile einer Oma, die nur den Erfolg sieht und akzeptiert.

Doch keine Angst vor Klischees, hier sind echte, selbstbewusste Menschen zu erleben. Meist unglaublich und sympathisch offen, dazu klug auch auf menschliche Weise. Nachdem Mary einen kleinen Mitschüler vor einem fünf Jahre älteren mit einem beherzten Schlag verteidigt hat, kommentiert Frank: Wenn man unsere zukünftigen Führer von den einfachen Menschen trennt, zieht man Kongressabgeordnete groß. Es ist wunderbar rührend, aber nicht abgeschmackt, wie der ehemalige Philosophie-Professor Frank seiner Nichte Mary Eltern-Liebe vermittelt, indem er sich mit ihr lange in den Wartesaal eines Krankenhauses setzt, wo nach vielen Stunden eine Familie die Geburt eines Kindes erlebt. Dieser begabte Film ist ein tatsächlich kluger Film, bei dem man jeden Satz freudig aufnehmen kann und sollte. Nur das Finale geriet mit einem „deus ex machina" als Überraschung etwas holperig. Gute Schauspieler, schöne Bilder und eine kräftig unterstützende Musik-Soße komplettieren die Wirkung.

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