23.7.17

Baby driver

Großbritannien, USA 2017 Regie: Edgar Wright mit Ansel Elgort, Lily James, Kevin Spacey, Eiza González, Jon Hamm, Jamie Foxx 113 Min. FSK: ab 16

„La La Land" schon wieder - nur diesmal nicht im Stau der Musical-Geschichte sondern mit Vollgas voraus. Edgar Wright („The World's End", „Shaun of the Dead", „Hot Fuzz") legt den eindrucksvollsten und rhythmischsten Film des Jahres hin. Der perfekt auf 23 großartige Songs geschnittene Thriller hängt locker „Driver" und im romantischen Kitsch sogar „La La Land" ab.

Es begann 2003 mit einem Musikvideo Wrights zu „Blue Song" von Mint Royale: Ein Fahrer fragt seine Gang, wie lange sie für den Überfall brauchen und sucht - noch von CD - den passenden Song raus. Während er ein grandioses Playback hinlegt, läuft der Heist im Hintergrund ab. So steigt auch „Baby Driver" ein: "Bellbottoms" von The Jon Spencer Blues Explosion ist lang genug und im zweiten Teil richtig rasant für eine atemberaubende Verfolgungs-Jagd, bei der „Driver" Baby (Ansel Elgort) einen ganzen Polizei-Fuhrpark abhängt. Der nächste Spitzen-Song auf der Playlist ist vielleicht die am besten choreografierte Szene dieses an Superlativen reichen Meisterwerks. Baby holt zu „Harlem Shuffle" Kaffee für die Gang - sein Gang durch die Innenstadt von Atlanta greift den Text in Tags und Graffitis auf den Wänden auf, die coolen Bewegungen des sehr jungen Fluchtfahrzeug-Fahrers spielen exakt auf die Note passend mit einer Trompete im Schaufenster des Musikalienhandels.

Die Erklärung, weshalb Baby dauernd Musik hört und so gut wie nichts sagt, gibt Doc (Kevin Spacey), Boss und Planer der Raubzüge: Der Junge hatte als Kind einen schweren Unfall und übertönt so seinen Tinnitus. Derweil wird das Geld zum Rhythmus von „Egyptian Reggae" auf die Stapel verteilt. Baby bekommt seinen gleichen Teil, den Doc ihm später in der Tiefgarage abnimmt. Dem knallhart lässigen Gangster klaute der Junge einst einen Wagen voller „Waren" und muss nun seine Schulden abfahren.

Im Soundtrack taucht kurz nach diesem unfassbar genialen und kompakten Auftakt Debora gleich zweifach auf: Als „Debra" von Beck und als „Debora" von T. Rex. Songs für den Namen der Kellnerin (Lily James), mit der Baby vom ersten Anblick an die große Flucht plant. Denn Baby will kein Blut sehen, aber vor allem der Psychopath Bats (Jamie Foxx) betont, dass es kein Verbrechen ohne Gewalt gibt. Was dem gefährlich lässigen Mit-Räuber Buddy (Jon Hamm) und seiner extrem heiß emanzipierten Gangster-Braut Darling (Eiza González) extrem auf die Nerven geht. Wetten werden angenommen, wer von den grundverschiedenen Machos den anderen umbringen wird. Baby selbst hat zusätzlich eine tragische Geschichte und einen tauben, schwarzen Stiefvater, um den er sich vor der Flucht vom Fluchtautofahren kümmern muss. Hinter seinen Sonnenbrillen, für die er in jeder Tasche Ersatz hat, den vielen iPod-Generationen und seinen endlosen Popkultur-Zitaten steckt ein sensibler, symphytischer Typ.

„... some Oscar-Shit right there" - Bats, der zum Rhythmus von „Tequila" ballern darf, erkennt selbst, was für ein Oscar-Material „Baby Driver", benannt nach einem Song von Simon & Garfunkel, ist. Sorgte Edgar Wright mit seiner „Blood and Ice Cream"-Trilogie („The World's End", „Shaun of the Dead", „Hot Fuzz") noch für überbordenden Spaß mit Genre-Parodien gut, führt er hier in sagenhafter Perfektion Gangster-Film und Musical zu etwas Einzigartigem zusammen. Da kann „Driver" Ryan Gosling Wagen-Waschen gehen und Haudrauf Tarantino wieder Videos verkaufen. Diese rasanten, witzigen, spannenden, romantischen Szenen machen süchtig, diesen Stoff muss man sich immer wieder reinziehen. Alles hat hier Stil, angefangen mit einem Soundtrack vom Feinsten bis zu den meisten Figuren.

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