4.6.17

The Dinner

USA 2017 Regie: Oren Moverman mit Richard Gere (Stan Lohman), Laura Linney (Claire Lohman), Steve Coogan (Paul Lohman), Rebecca Hall 121 Min. FSK: ab 12

Der aalglatte Möchtegern-Gouverneur Stan (Gere) lädt seinen Bruder Paul (Steve Coogan) und seine Schwägerin Barbara (Laura Linney) in ein sehr exklusives Restaurant. Es geht nicht um ein Wiedersehen der heillos zerstrittenen Brüder, es geht um ihre Söhne, die zusammen eine Obdachlose angezündet haben, die danach an den Brandwunden starb. Noch wissen nur die Familien, wer die Täter auf dem öffentlich gezeigten Video von Pauls Sohn sind. Bis gestritten wird, was zu tun ist, ob man verschweigen oder selbst zur Polizei gehen soll, sind viele alte Geschichte zu umschiffen. Und der Vollzeit-Politiker Stan ist eigentlich dauernd am Handy seiner Assistentin, weil er gerade ein Gesetz durch den Kongress bringen will.

Diese gelungene Verfilmung von Herman Kochs niederländischen Roman „Het Diner" ist fast „Der Gott des Gemetzels", nur diesmal wirklich furchtbar und grausam indem, was ein Sohn getan hat. Sehr ambivalente Figuren wühlen sich im intensiven, ruhelosen Spiel durch ganze Bündel von Krankheiten, Beschädigungen und Altlasten. Könnte nerven wie die Anrufe für Stan im Sekundentakt, doch die Handlungen und Entscheidungen sind zeitweise so atemberaubend amoralisch, dass man Stans junge Frau und ehemalige Praktikantin Kate (Rebecca Hall) plötzlich als Lady MacBeth sieht. Richard Gere spielt eindrucksvoll einen Politiker mit zwei Gesichtern. Der in Israel geborene Regisseur Oren Moverman legt geschmackvoll aufbereitet einen packenden Parcours zum moralischen Verfall der Menschheit hin.

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