7.6.17

Die Mumie (2017)

USA 2017 (The Mummy) Regie: Alex Kurtzman mit Tom Cruise, Sofia Boutella, Annabelle Wallis, Russell Crowe 107 Min.

Nein, die Mumie ist hier nicht gleich der feist gewordene Tom Cruise. Um Cruise in die unmögliche Mission zu integrieren, den völlig verstaubten Mumien-Stoff, noch mal zu beleben, wird die ägyptische Leiche diesmal sogar zur Frau: Die einst mächtige Ägypter-Königin (Sofia Boutella aus „Kingsman: The Secret Service" und „Star Trek Beyond") wird in unserer heutigen Zeit zu neuem Leben erweckt. Nun ist sie sehr böse und zerstörerisch.

Die Mumie ist auch schon als Kinostoff uralt, die ersten Versionen dieser Mutter der Horror-Filme liefen bereits in der Stummfilm-Zeit. In den letzten Jahren fand man ihren Leichnam vornehmlich auf Resterampen wie „The Scorpion King" oder in der albernen Variante zwischen 1999 und 2008 mit Brendan Fraser. Nun versucht Cruise mit den alten Lumpen gegen die Superhelden-Hype anzustinken. Wobei Universal Picture unter dem Namen „Dark Universe" auch so eine Franchise-Familie wie Marvel und DC Comics aufbauen will. Allerdings ist bei der neu ausgewickelten Mumie ausgerechnet Sean Daniel Ko-Produzent, der auch die vorherige Bandagen-Trilogie in die Kinos brachte.

Im Nord-Irak betätigen sich US-Soldaten im Nebenjob als Grabräuber. Cruise stellt dabei in Tölpelhaftigkeit und Unbedarftheit eine unverhohlene Indiana Jones-Kopie dar. Indy heißt nun Nick sonst ändert sich nix. Unverfroren und gierig interessiert es sich nur für seinen Gewinn und muss zwischendurch noch seine Liebhaber-Fähigkeiten ausstellen. Von der Wüste geht es mit den Mumien immer wieder nach London. Ein sehr schöner Flugzeugabsturz lässt Nick mysteriöserweise überleben und auch die eingewickelte, schick tätowierte Braut Ahmanet (Sofia Boutella) kriecht bald Unheil stiftend herum. Mit einer Armee aus Zombies will sie Nicks Körper als neue Hülle für ihren Gott.

Viel Action, wenig Spannung und alles, aber wirklich alles vorhersehbar. „Die Mumie", Version 2017 ist ein Abenteuer-Filmchen, ein B-Movie, dem Prominente und Produktionswerte Substanz geben sollen. Letztlich geben sie sich aber in dieser Kombination gegenseitig der Lächerlichkeit preis. Die Dialoge sind grottiger geistiger Leerlauf. Vorgetragen von eher mittelmäßigen Darstellern fällt dies umso mehr auf. Cruise gibt einen eher einfältigen Kerl, zeigt nicht die Intelligenz aus „Mission Impossible" oder die Integrität von „Jack Reacher".Nur Russell Crowe als Dr. Henry Jekyll mit einer verborgenen Seite kann faszinieren. Mit Multi-Millionen-Aufwand produziert, ermüdet dieses Stückchen Effektkino, das bald im Sand der Geschichte untergehen wird, sehr schnell.

Wenn nicht mal mehr einen so exzellenter und erfahrener Autor wie David Koepp etwas retten kann, ist es an der Zeit, grundsätzlich umzudenken. Die Selbst-Kannibalisierung und Leichenfledderei von Hollywood, dieses rücksichtslose und geldgierige Ausbuddeln jedes noch so schäbigen Stückchen Stoffs aus der Vergangenheit, bringt keinerlei befriedigende Filme mehr hervor. Hier muss auf allen Ebenen gründlich Staub gekehrt werden. Vor allen Dingen müssen die Produzenten anfangen, Raum für Neues zu schaffen. Sonst gucken die nächsten Generationen wirklich nur noch Serien zu Hause im Fernsehen.

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