22.5.17

Song to Song

USA 2017 Regie: Terrence Malick mit Michael Fassbender, Rooney Mara, Natalie Portman, Ryan Gosling 129 Min.

Nach dem eher unglücklichen Treiben in der Filmwelt bei „King of Cups" stürzt sich der 73-jährige Filmemacher Terrence Malick nun in die Musikszene. In seinem „King of Cups 2" ist Michael Fassbender als arroganter, gelangweilter Erfolgsproduzent Cook das selbstverliebte Zentrum des Geschehens: Vor der Kulisse des South by Southwest-Festivals in Austin, Texas, erleben wir Konzerte mit wildem Pogo im Publikum und überkandidelte After-Partys mit Ausstellungs-Frauen, die dekorativ in den Pool fallen oder auf ihrem Körper liegend Sushi anbieten. Besser behandelt Gastgeber Cook auch seine Beziehungen nicht. Sängerin Faye (Rooney Mara) ist seit jungen Jahren bei ihm - für die Karriere, wie sie im Off erzählt. Und dass sie dafür „viel bezahlt" habe. Auf der Party verliebt sich Faye in den Komponisten BV (Ryan Gosling), das Glück bleibt allerdings getrübt, weil Faye masochistisch weiterhin heimlich die Geliebte Cooks bleibt. Der kann nicht in seiner Selbstsucht keine fünf Minuten alleine sein und zieht die einfache Kellnerin und Kindergärtnerin Rhonda (Natalie Portman) als Ehefrau in den Strudel aus schillerndem Leben und sexuellen Extravaganzen. Als BV irgendwann von Faye Beziehung zu Cook erfährt, ist die neue Liebe am Ende und beide ziehen neue Partner in den Gefühlsreigen.

Terrence Malick macht einzigartige Filme: Ströme von nicht chronologischen Bildern (exzellente Kamera: Emmanuel Lubezki), Ton- und Stimm-Fragmenten erzählen eine Geschichte weniger, als das sie mit emotional aufgeladenen Puzzlestückchen impressionistisch empfunden wird. Nun verbindet er Dance Music-DJs, einen Klassik-Flow, Cameo-Auftritte von Iggy Pop, Val Kilmer als Alt-Punk und Patti Smith mit Erinnerungen und Träumereien in sehr loser Folge. Die Figuren umkreisen sich, die Kamera tanzt mit. Fish Eye oder Handkamera fangen Luxushäuser aus Schöner Wohnen ein.

Mittendrin schaut man den Schauspielern beim Schauspielen zu, was weniger inszeniert als improvisiert und später montiert funktioniert. Vor allem Michael Fassbender legt als wenig tragisches Ekel des Films haufenweise Kunststückchen hin. Gosling kann meist nur wie ein dummer junge daneben stehen. Mara trägt oft Perücken für verschiedene Rollen Fayes. Wer sie wirklich ist, darf man sich dabei fragen. Dazwischen erzählt Patti Smith immer wieder etwas über ihr eigenes Leben und das sind dann auch die besten Szenen des Films.

Denn reduziert auf die „Geschichte" erweist sich „Song to Song" als wenig originell: Zac Efron stritt sich in dem mitreißenderen DJ-Film „We Are your Friends" ebenfalls mit seinem (erfolg-) reicheren Mentor auch um eine Frau. Von all den ähnlichen Geschichten aus der Film-Szene ganz zu schweigen. Trotz seines einzigartigen Stils, der in weniger Momenten immer noch berauschen kann, erzählt Malick nun erstaunlich Banales: Letztlich soll eine Abkehr vom Künstler-Lotterleben, vom haltlosen Hüpfen von „Song to Song" die Liebe retten. Gosling macht auf Bohrarbeiter vom Lande.

Malick will also zurück zum „einfachen Leben". Aber aus seinen früheren Filmen weiß man, dass dies auch nicht besonders prickelnd war: Im wunderbaren „Days of Heaven" ging es den Landarbeitern - unter ihnen Richard Gere - ziemlich beschissen, das Liebesdrama unter ihnen war eines der stärksten. Später im epochalen Meisterwerk „The Tree of Life" mit Brad Pitt zeigte sich das einfache Familienleben - das hier immer als Utopie für Faye und Rhonda aufblitzt - als eines der furchtbarsten. Doch nicht nur inhaltlich fragt der sich Fan nach einer überlangen Enttäuschung, wo Malick eigentlich hin will.

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