9.5.17

Ein Tag wie kein anderer

Israel 2016 (Shavua ve yom) Regie: Asaph Polonsky mit Shai Avivi, Evgenia Dodina, Tomer Kapon 98 Min. FSK: ab 6

Gerade sieben Tage ist es her, seit Eyal (Shai Avivi) und Vicky (Evgenia Dodina) ihren 25-jährigen Sohn beerdigt haben. Die Shiva, das jüdische Trauerritual, ist nun beendet, die Wohnung wird aufgeräumt, ein paar Nachzügler vergrätzt Eyal herrlich grob. Vicky will so schnell wieder als Lehrerin arbeiten, dass sie die Vertretung aus dem Klassenzimmer wirft. Eyal hingegen weiß nicht wohin: Langatmig scheitert er daran, sich selbst einen Joint zu bauen, jemand muss ja das medizinische Marihuana des Sohns aufbrauchen. Als der auf andere Art ebenfalls seltsame, kindische Nachbars-Sohn Zooler als Kiff-Unterstützung ins Spiel kommt, ist er zwar kein Ersatz für den Sohn, aber er kann drehen, wild Luftgitarre und bekifft Tischtennis spielen.

Der humorvolle israelische Film umkreist ungewöhnlich aber treffend ein trauerndes Paar. Eyal und Vicky haben in diesem Fall ganz unterschiedliche Arten, mit dem Unfassbaren umzugehen. Während er nur nett skurrile Dinge tut, macht sie erstaunlich nüchtern einfach weiter. Die innere Verschlossenheit spiegelt sich in dem Öffnen und Schließen der Rollladen zum Garten, im krassen Laut und Leise auf der Tonspur mit den starken Liedern. Stellvertretend für die Trauer, die Eyal nicht rauslassen kann, hört er die extrem berührende Begräbnisrede eines Fremden, im Film bebildert mit einer großartigen Montage der Belanglosigkeiten, mit denen einen das Leben in solch furchtbaren Zeiten quält. Wie bei der Sterbehilfe-Komödie „Am Ende ein Fest" aus Israel zeigt auch diese Tragikomödie wieder ein breites, lebendiges Spektrum des Alltagslebens. Die guten Schauspieler zeigen das Paar mit eingespielter Vertrautheit, in der noch Momente der Liebe aufblitzen. Ein in seiner ruhigen, unaufdringlichen Art, sehr gelungener leiser Film über Wege des Trauerns.

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