29.5.17

Baywatch (2017)

USA 2017 Regie: Seth Gordon mit Dwayne Johnson, Zac Efron, Alexandra Daddario 117 Min. FSK: ab 12

Bei der Suche nach alten Stoffen zum Recyclen ist das wenig innovative Hollywood mittlerweile bei der untersten Schublade angekommen: Nicht nur alte Erfolge, auch alte Peinlichkeiten, die nur wegen des großen Fremdschäm-Faktors zum Kult geworden sind, werden wiederverwertet. Erlebte die Serie „Miami Vice" noch eine geniale Neuauflage durch den ursprünglichen Schöpfer Michael Mann, ist bei der Rettungsschwimmer-Albernheit „Baywatch" nichts mehr zu retten.

Leben retten, Google erfinden, Drogen aufsammeln und einen sicheren Korb beim Basketball blocken - das alles erledigt Bademeister Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) noch vor Schichtbeginn beim Joggen. Dass die Einführung mit dem Supermann der Rettertruppe am Strand von Malibu Satire sein soll, kapiert wirklich jeder, wenn im Hintergrund der Filmtitel riesig aus dem Meer steigt und Delphine drumherum springen. Dann taucht auch noch Zac Efron als Farce-Figur des Olympia-Siegers Matt Brody auf, der zweimal Gold in Einzelstrecken holte, bei der Schwimmstaffel allerdings das Becken mit seinem verkaterten Mageninhalt grün färbte.

So könnte man mit der grund-idiotischen Erfolgserie „Baywatch" umgehen, von der vor allem Pamela Andersons im Zeitlupe wippenden Brüste in die Filmgeschichte eingegangen sind. Dieser weitere „Baywatch"-Film nimmt sich tatsächlich kurzzeitig selbst auf den Arm, etwas was das aktierende Muskelpaket Johnson wahrscheinlich auch noch hinbekommt. Doch dann sorgt unter anderem dieser Zwang zur klassischen Handlung dafür, dass der Wiederbelebungs-Versuch unappetitlich schief geht.

Mit einer Bewerbungsrunde für neue Rettungsschwimmer und einem Kriminalfall aus der Klamottenkiste noch weit vor Columbo streckte man den Stranddienst auf Überlänge. Efrons schöner Schnösel Matt Brody darf sich mit dem Chef-Schwimmer anlegen und lernt selbstverständlich auf die harte Tour, ein Team-Player zu sein. Vom Schauspiel darf man da nichts erwarten, wenigstens der Dialogwitz frischt etwas auf, etwa wenn Mitch den Neuling nur mit immer neuen Namen von Boy-Bands belegt.

Die Geschichte um Drogen und Leichen am Strand, miesen Immobilien-Geschäften und korrupten Politikern würde in „Hawaii Five-0" vielleicht interessieren, aber ausstaffiert mit Witzfiguren, Knallchargen und Abziehbildern böser Gangster langweilt sie nur. Dass der unwahrscheinlichste Neuzugang im Baywatch-Team wie in der uralten Teenie-Erotik „Eis am Stiel" mit im Liegestuhl eingeklemmtem Penis zur Strand-Attraktion wird, zeigt den Tiefgang der „Komödie". Der Rest ist ohne großen Aufwand runterinszeniert worden, besonders bei der mageren Action auf offenem Meer fallen die Studioaufnahmen der wohl wasserscheuen Stars böse auf.

Obwohl Jung-Routinier Seth Gordon („Voll abgezockt", „Mein Schatz, unsere Familie und ich") die Regie übernahm, geriet „Baywatch" zum uninspirierten Abzocker-Produkt. Das ist inhaltlich und formal Kinderkram, obwohl niemand aus einem anspruchslosen Jung-Publikum mit der Rentner-Serie noch etwas anfangen kann. Die obligatorischen Auftritte von Mauern-Einreißer David Hasselhoff und Pamela Anderson erinnern schmerzlich an früher, als so was auch schon erbärmlich schlecht war.

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