23.4.17

Happy Burnout

BRD 2017 Regie: André Erkau mit Wotan Wilke Möhring, Anke Engelke, Michael Wittenborn, Kostja Ullmann 102 Min. FSK: ab 6

Kleiner Flug übers Kuckucksnest

Der gewitzte Lebenskünstler Fussel (Wotan Wilke Möhring) vermeidet Arbeit und auch alle Auflagen seiner Hartz IV-Beraterin Frau Linde (Victoria Trauttmansdorff). Denn diese liebt den Alt-Punk, wie irgendwie jeder. Selbst die Leute, die er mit seinen kleinen Tricks geschickt reinlegt. Fussel hat immer eine (Lügen-) Geschichte und für alles einfache Lösungen parat. Bis eine interne Prüfung beim Arbeitsamt die jahrelange Vermeidungs-Strategie auffliegen lässt. In größter Panik vermittelt Frau Linde ihm ein Arbeitsunfähigkeits-Attest - Diagnose Burnout - samt Therapie in einer stationären Klinik. Dort mischt der linke Rebell den Laden erst einmal mit plattem Witz und viel Energie auf. Aber er wird hier schnell durchschaut und von der Leiterin zur Mitarbeit gezwungen. Fussel soll seine Fähigkeiten konstruktiv einsetzen.

Nun sehen wir mit dem zum Nachdenken kommenden Protagonisten auch die Geschichten der anderen Patienten: Wie der lebensmüde Sonnenbank-Verkäufer Günther (Michael Wittenborn) zu seinen Verbrennungen kam, wieso der cholerische Kinder-Entertainer Datty (Kostja Ullmann) nicht mehr zu den Kleinen darf, was die überforderte Mutter Merle (Julia Koschitz) so traurig macht und wieso der gestresste Immobilien-Verkäufer Anatol (Torben Liebrecht) nicht im Porsche sitzt. Aber Fussel hat noch immer keine Antwort auf die Frage, was er machen wolle, wenn er mal erwachsen sei. Mit ganz viel gutem Willen könnte man behaupten, das Filmchen sammelt ein paar Fragmente dessen, was in unserer Gesellschaft überfordert.

Regisseur André Erkau inszeniert zwischen seinen Kinofilmen „Winnetous Sohn" (2015), „Das Leben ist nichts für Feiglinge (2012) oder „Arschkalt" (2011) auch mal Tatorte und mehr als TV-Niveau hat das ausgebrannte Filmchen „Happy Burnout" leider nicht. Die übersichtliche Versuchsanordnung geht mit der Power eines gemäßigten Abendprogramms im Öftechtlichen TV ans Werk. Die solidaritäts-fördernde Prügelei in der Dorfkneipe, das Fußball-Spiel in der schützenden Bubble und die Solidaritäts-Aktionen am Ende sind vorhersehbar und irgendwie egal.

Trotz der übersichtlichen Probleme bleibt es unverständlich, was Fussel eigentlich bewegt. Sein Problem, sein Aufgeben und die Wandlung - alles nur angedeutet und behauptet. Wotan Wilke Möhring bemüht sich vergebens, etwas Punkiges in seinen Charakter zu legen, nur das Kostüm muss das richten und etwas Ska auf der Tonspur. Die anderen Rollen sind reizvoller, weil nicht so grell und laut. Vor allem Multitalent Anke Engelke beeindruckt komplexen als Leiterin der Station.

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