4.4.17

Free Fire

Großbritannien, Frankreich, 2016 Regie: Ben Wheatley mit Cillian Murphy, Brie Larson, Armie Hammer, Sharlto Copley 90 Min. FSK: ab 16

Feuer frei! Jeder darf mal, jeder hat 1000 Freischüsse bei diesem Feuerwerk mit Feuerwaffen. Der bemerkenswerte britische Regisseur Ben Wheatley variiert seinen mal makaber- („Sightseers", 2012), mal historisch- („A Field in England", 2013) oder auch mal politisch-schwarzen Humor („High-Rise", 2015) diesmal blutig in Richtung Tarantino. Dabei legt er immer sehr sehenswerte Bilder hin - selbst wenn nicht alle immer hinschauen wollen. „Free Fire" zeigt nun, was passiert, wenn man Wheatley ein paar Kisten Schnellfeuerwaffen, eine Handvoll Gangster und eine heruntergekommene Fabrikhalle zur Verfügung stellt.

1978 wollen sich zwei Iren in Boston Waffennachschub für den Bürgerkrieg besorgen. Im großen Stil! So treffen sich Chris (Cillian Murphy) und Frank (Michael Smiley) mit ihren geistig wesentlich minderbemittelten Helfern Bernie (Enzo Cilenti) und Stevo (Sam Riley) in einer riesigen Lagerhalle voller Dreck und Schrott. Die Waffenhändler, der überkandidelte Vernon (Sharlto Copley) und der gefährlich zurückhaltende Martin (Babou Ceesay), wirken ebenso wenig vertrauenserweckend. So ist es gut, dass die Zwischenhändler Ord (Armie Hammer) und Justine (Brie Larson) vermittelnd eingreifen. Denn nach einigen unfreundlichen verbalen Schlagabtauschen zur Begrüßung zeigt sich, dass in den Kisten nicht die bestellten Maschinengewehre sind. Ein Fehler, der unter Hochspannung noch gerade so aufgefangen wird. Dass jedoch ausgerechnet der angeschlagene und mürrische Stevo in der letzten Nacht die Nichte eines Gehilfen der Gegenseite misshandelt haben soll, ist der Funke für das Pulverfass: Ein Waffenarsenal und kistenweise Munition sorgen dafür, dass am Ende des Films kein Mann mehr steht und dass man durch Dauerfeuer bestens unterhalten wird.

Zwar wird über 60 Minuten nur an einem Ort mit (fast) festem Personal rumgeballert, doch dass dies nie langweilig wird, liegt an den markanten Figuren, ihren teilweise schrillen Ausstattungen und den unerlässlich coolen Sprüchen. Waffenhändler Vernon, der aussieht wie aus dem Katalog für billige Anzüge gefallen, pflegt einen seltsamen Dialekt, fast so unverständlich, wie Brat Pitt in Guy Ritchies „Snatch". Die Typen-Sammlung teilt sich auf in Alberne und Coole, doch Blei austeilen und einstecken müssen sie schließlich alle. Wahrscheinlich recht realistisch kriecht und humpelt am Ende alles nur noch, die meisten Waffen geben vorher mit Ladehemmung auf. Also genug Zeit für Regisseur Ben Wheatley, raffinierte Situationen auszuspielen, alles mit ein paar Nasen voller Drogen aufzublasen und den Action-Affen gekonnt Zucker zu geben.

Das hat tatsächlich nicht mehr Gehalt als eine lange „Tom & Jerry"-Folge, gesponsert von der Amerikanischen Waffenvereinigung. Während Wheatley sich in Sachen Splatter zurückhält (bis auf einen Kopfplatzer zu John Denver-Klängen), zeigt er in der inhaltlichen Nichtigkeit sein volles Können: Die Location der alten Fabrikhalle ist ein reizvoller Augenschmaus, jede Kugel bekommt ihr eigenes, feines Sounddesign. Und es macht wider alle Erwartungen einfach sehr viel Spaß, die Zeit mit den Kugeln dahinfliegen zu sehen.

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