25.4.17

Der traumhafte Weg

BRD, Großbritannien, Griechenland 2016 Regie: Angela Schanelec mit Miriam Jakob, Thorbjörn Björnsson, Maren Eggert, Phil Hayes, Anaïa Zapp 81 Min. FSK: ab 12

Angela Schanelec ist nach eigenwilligen Filmen wie „Orly" (2010) oder „Marseille" (2004) eher auf internationalen Festivals bekannt als in ihrer Heimat Deutschland. So erlebte „Der traumhafte Weg" auch seine Weltpremiere beim Festival von Locarno. Darin erzählt Schanelec mit faszinierender Bildsprache, gleichermaßen sperrig wie reizvoll, von zwei Paaren in Trennung sowie deren mysteriös bis märchenhafte Überschneidungen in Raum und Zeit: 1984 tingeln der Engländer Kenneth und die deutsche Theres mit Straßenmusik durch Griechenland. Ein Krankheitsfall in seiner Familie erfordert die Rückkehr, die beiden leben sich auseinander. 30 Jahre später trennt sich die 40-jährige Fernsehschauspielerin Ariane in Berlin von ihrem Mann. Der zieht in eine Wohnung nahe dem Hauptbahnhof. An einer U-Bahn-Treppe sitzt dort ein Obdachloser, den wir als Kenneth wiedererkennen. Auch Theres lebt inzwischen in Berlin.

So könnte man die Handlung zusammenfassen, man könnte den zweiten Teil auch als Traum von Theres sehen, oder, oder ... Angela Schanelecs Bilder sind - streng im klassischen Kinoformat - offen in Bezug auf konventionelle Handlungsführung und ungemein exakt in ihrer poetischen Kraft. Auch die Dialoge beteiligen sich nicht an Vereinfachung und wirken für sich selbst - gestanzte Sätze in fremder Sprache. Das ist weder lebendig noch lebensnah, kann aber trotz aller Widersprüche ergreifen und beschäftigen. Schanelecs Filme führen nicht wie das vorherrschende Narrativ mit doppelter Text- und Bild-Sicherung exakt zum auskalkulierten Komödien- oder Tragödien-Ziel. „Der traumhafte Weg" eröffnet sich aus einem Puzzle freier Eindrücke, aus zufällig wirkenden Doppelungen, aus eigenen Gedanken, denen angenehm viel Raum gelassen wird.

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