11.4.17

Abgang mit Stil

USA 2017 (Going in Style) Regie: Zach Braff mit Morgan Freeman, Michael Caine, Alan Arkin, Matt Dillon 97 Min. FSK: ab 6

Senioren-Komödien haben Konjunktur und Rentner in prekären Lebenssituationen scheinen auch eine unrühmliche Erscheinung unserer Zeit zu sein. Doch schon 1974 hieß der sehr schöne und treffende Debütfilm des Filmemachers Bernhard Sinkel „Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat". Schauspieler und Regisseur Zach Braff zeigt in der Neuverfilmung der Gaunerkomödie „Die Rentnergang" (1979) von Martin Ritt, dass die Interessen der Bank nicht die Interessen von Morgan Freeman und Michael Caine sein können.

Freeman („Million Dollar Baby"), Caine („Gottes Werk und Teufels Beitrag", „Hannah und ihre Schwestern") und Alan Arkin („Little Miss Sunshine") spielen die alten Freunde Willie, Joe und Al, denen Banken und Globalisierung das Rentnerdasein vermiesen. Ihre in den USA üblichen Firmen-Pensionen werden mit der Verlagerung des Unternehmens nach Vietnam einfach einkassiert. Das ist ungefähr so, als würde man bei uns die Rentenalter ein paar Jahre hochschrauben. Da die Banken gleichzeitig die Kreditraten erhöhen, soll Joe in schon dreißig Tagen aus seinem Haus geworfen werden. Willie möchte seine Familie noch mal besuchen und braucht eine neue Niere. Aber auch dabei verschlechtert eine einfache Kranken-Versicherung seine Überlebens-Chance. Also haben sie nichts mehr zu verlieren und wollen auch mal ein Stück Kuchen abhaben vom Leben. Deshalb soll genau die Bank überfallen werden, die sie ausgenommen hat. Nun stellen sie sich schon beim einfachen Ladendiebstahl im kleinen Supermarkt unmöglich ungeschickt an und flüchten in Zeitlupe mit einem Elektro-Rollstuhl.

Soziale Bankräuber verbünden sich mit Sozial-Opfern von heute - ein schönes Märchen, das leider in diesem „Abgang mit Stil" stillos und lahm daher kommt. Weder Raubzug noch Film zeichnen sich durch Raffinesse aus. Regisseur Zach Braff ist nicht nur der sympathische Prügelknabe der Krankenhaus-Serie „Scrubs". Er hat sich mittlerweile mit den sehr schönen und weisen Filmen „Garden State" (2004) und „Wish I was here" (2014), die mitten im Leben stehen, einen Ruf erarbeitet. Gerade in dieser Hinsicht ist sein prominent besetztes neues Werk allerdings eine große Enttäuschung. All die kleinen zwischenmenschlichen Beziehungen von Willie, Joe und Al werden hier in der typischen künstlichen Oberflächlichkeit von Hollywood abgehandelt. So wie ja auch die drohende Armut der drei Senioren niemals bedrohlich wirkt.

Selbstverständlich spielen Freeman, der in den Niederlanden vor dem Film noch schnell Werbung für holländisches Bier macht, und Caine anständig. Vor allem Alan Arkin zeigt, dass er eigentlich längst in diese Liga gehört. Herrliche Kommentare zum „Bachelor"-Stumpfsinn im Fernsehen werden abgelöst von geriatrischen Scherzen, die nur den Biss „der Dritten" haben. Vor allem verglichen mit richtig flotten Senioren-Komödien wie Clint Eastwoods „Space Cowboys" (2000). Da ist Bingo im Seniorenheim oft aufregender und Shirley MacLaine im Kino nebenan die bessere Empfehlung. Tatsächlich ist es „die Pflicht einer Gesellschaft, für ihre Alten zu sorgen". Allerdings sollte sich eine Film-Gesellschaft auch besser um ihr älteres Publikum kümmern.

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