28.2.17

Logan

USA 2017 Regie: James Mangold mit Hugh Jackman, Patrick Stewart, Richard E. Grant, Dafne Keen 135 Min.

Nahezu prophetisch kommt das Finale des „X-Men"-Ablegers „Logan" daher: In naher Zukunft versuchen die faschistischen Cyborg-Schergen eines militärisch-pharmazeutischen Komplexes, eine Gruppe verfolgter Kinder nicht nach Kanada fliehen zu lassen. Mit dem erstaunlich zeitgemäß düsteren Ausblick für die USA gibt Hugh Jackman nach „Wolverine" erneut den populärsten Superhelden aus der Spielekiste der X-Men, und verleiht ihm in dem ebenso bewegenden wie eindrucksvollen Spektakel eine enorme Charaktertiefe.

Wir treffen Logan (Jackman) in der Zukunft ganz unten: Gealtert und mit abnehmenden Selbstheilungskräften. So, wie wir Superhelden endlich wieder ertragen können, verletzlich und reuevoll. Voller Alkohol auch gerne, ein paar Pillen gegen die Schmerzen hinterher. Trotzdem kümmert sich Logan, der als Limousinen-Chauffeur arbeitet, weiterhin. Der altersschwache Charles Xavier (Patrick Stewart) kann seine telepathischen Fähigkeiten längst nicht mehr kontrollieren und muss mit Medikamenten ruhig gestellt werden. Der gemeinsame Ruhestand der ehemaligen Helden in einer düsteren Welt ohne X-Men rückt allerdings in weite Ferne als doch eine junge Mutantin auftaucht. Laura Kinney (Dafne Keen) ist ein gefährliches Mädchen, das wie Wolverine die Krallen ausfährt und mit abgeschnittenen Köpfen kegelt. Ein Naturereignis in Sachen eindrucksvoller Action und faszinierend in der Kombination von mörderischer Verletzlichkeit.

Wie der albern flache Comic-Held Batman in der Graphic Novel „Arkham Asylum: A Serious House on Serious Earth" 1989 als gebrochene Gestalt wiedergeboren wurde, so tauchen auch die fast vergessenen Legenden Wolverine und Charles Xavier in „Logan" aus der Zukunft auf. Er heißt programmatisch auch nicht mehr Wolverine wie in den beiden Filmen „X-Men Origins: Wolverine" und „Wolverine – Der Weg des Kriegers", sondern nimmt wieder seinen ursprünglichen Namen an. Basis sind teilweise die „Old Man Logan"-Comics. Wegen des Superhelden-Krieges zwischen Disney und Marvel dürfen einige Figuren nicht auftauchen, was dem Film nur gut tut.

Wenn sich der Held gleich mit Kind und 90-Jährigem im Rollstuhl auf die „Road" macht, könnte das gewaltig schief gehen. Doch mit hohem Splatter-Faktor und gewaltiger Dystopie-Stimmung besteht niemals Kitsch-Gefahr. „Logan" ist einer der seltenen Boxoffice-Ereignisse, in denen die Figuren-Zeichnung ebenso packend und spannend ausfällt, wie die großartigen Action-Einlagen. Xaviers unkontrollierte telepathischen Anfälle, das „Alzheimer in der Welt gefährlichstem Gehirn", erschüttert das Kino ebenso wie die Verbrechen der Pharma-Industrie an Laura und anderen Kindern. Der Gegenspieler ist dann auch nicht der eiskalte und coole Killer, sondern Richard E. Grant als moderner Dr. Mengele. Als Referenz zu einer noch heilen Welt läuft George Stevens' Western-Klassiker „Mein großer Freund Shane" im Fernsehen, eine Farmer-Familie bietet Unterschlupf, doch das friedliche Leben ist nur ein kurzer Traum mit bitterem Erwachen. So sieht man das Zeitalter der Superhelden im Kino gerne untergehen.

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