7.2.17

Der Eid

Island, 2016 (Eidurinn) Regie: Baltasar Kormákur mit Baltasar Kormákur, Hera Hilmar, Gísli Örn Garðarsson 104 Min. FSK: ab 16

Der Isländer Baltasar Kormákur ist ein Wanderer zwischen den Film-Welten: Vor und zwischen großen Thrillern wie „2 Guns" (2013) mit Denzel Washington und „Contraband" (2011) mit Mark Wahlberg drehte er faszinierendes Arthouse von schrägen Beziehungsgeschichten wie „101 Reykjavik" (2000) bis zu dem fast mythologischen Drama eines tiefgekühlten Fischers in „The Deep" (2012). In dem genialen „Devil's Island" (1995,
Regie: Fridrik Thór Fridriksson) spielte er die aus der Gesellschaft gefallene Hauptfigur. Nun verbindet der geniale Regisseur beide Welten in einem knallharten und eiskalten Thriller, der in Reykjavík spielt.

Der Familienvater und Herzchirurg Finnur (Kormákur selbst) genießt sein gutes Leben, bis die volljährige Tochter Anna mit dem Drogendealer Óttar zusammen kommt und süchtig wird. Als bei seinen Versuchen, Anna von Ottars Einfluss fernzuhalten, Anzeigen nicht helfen, greift der sportliche Arzt zu drastischen Mitteln. Aber nun soll er die Drogen, die von der Polizei einkassiert wurden, selbst bezahlen.

Zwischen den Männern um Anna gibt es nur ein kurzes Abtasten und knappe Gespräche. Als Warnschuss sehen wir im Krankenhaus, was passiert, wenn jemand zur Drohung eine Schrottflinte mit besonders gemeiner Ladung abfeuert. Eines anderen Doktors Beschreibung, was demnächst an Wunden und Schmerzen kommt, macht klar, wie heftig Baltasar Kormákur hier zu Werke gehen wird. Das hier ist mit der Grundausstattung einer ganz normalen Familie härter als Zombie-Splatter und packender als die ganze „Taken"-Trilogie von Liam Neeson. Auch wenn gleich die Leute Schlange stehen, die Finnur zum Einlenken bewegen wollen, stoppt er nicht die Gewaltspirale.

Wie schon beim iranischen Meisterwerk „The Salesman" wirkt plötzlich der Verbrecher vernünftig, während der brave Bürger sich in den Wahn hineinsteigert, ein Rache-Held aus dem Kino zu sein. Wurzelt diese Selbstüberschätzung aus Finnurs fanatischem Triathlon-Training?

So folgt man der Steigerung von Spannung und Gewalt nicht mit Begeisterung sondern mit großen Befürchtungen für alle. Sich vorzustellen, was passiert, ist nicht schwer, weil die übel hergerichteten Opfer von irgendwelchen Gangster-Geschichten ja schon bei Finnur im Operationssaal liegen.

Diese besondere Mischung aus spannendem Psychogramm und ungewöhnlichem Thriller ist ein ganz besonders böses Spiel, weil der kleine Gangster Óttar ja die große Liebe der Tochter ist. So ergibt sich ein ganz anderer, psychologisch vielschichtigerer Film als bei Kormákurs US-Thrillern „2 Guns" (2013) mit Denzel Washington und „Contraband" (2011) mit Mark Wahlberg. Höchst spannend, wie die Karriere von Baltasar Kormákur mit ebenfalls noch offenem Ende.

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