21.2.17

Boston

USA, 2016 (Patriots Day) Regie: Peter Berg mit Mark Wahlberg, John Goodman, J.K. Simmons 128 Min. FSK: ab 12

Das Attentat auf den Marathonlauf in Boston vom April 2013 gehört zu den selbst erzeugten nationalen Traumata der USA. Für Außenstehende ist so eine grobe filmische Mobilmachung nur ethnologisch interessant, als seltsames Verhalten eines sehr seltsamen Volkes. „Boston", besser im Original als „Patriots Day", ist die moralische Mobilmachung nach der Katastrophe. Das furchtbare (lokal-) patriotische Machwerk macht Mut und schürt blinden Hass. In simpler Katastrophenfilm-Konstruktion lernen wir am Morgen des Marathons die baldigen Opfer kennen. Alle liegen glücklich in den Betten und wollen sich lieben. Spekulativ wird die Spannung in Erwartung der Explosion gesteigert. Dabei sind die Attentäter nicht nur Mörder, sie sind besonders gemein, weil sie einen Bomben-Rucksack neben einen Kinderwagen und neben dem netten jungen Paar platzieren. Zudem sind sie unfreundlich zur Frau und kaufen nicht die richtige Milch für das Kind, diese Monster! Unser Mitgefühl-Katalysator ist der in Ungnade gefallene Cop Tommy Saunders (Mark Wahlberg). Er humpelt mit schon vorher kaputtem Knie am Tatort herum, befragt die Opfer im Krankenhaus, bricht zusammen und ackert weiter.

Die Explosionen auf der Zielgeraden bringen viel Blut, haufenweise grausam Verwundete, die Kamera zoomt lustvoll auf Verstümmelungen, Amputationen und zerfetzte Körper. Nachdem mit geradezu pornographischem Wühlen in Blut und Wunden möglichst viele Emotionen manipuliert wurden, will die zweite Stunde teils sachliches und beruhigendes Protokoll einer betont effektiven und guten Polizeiarbeit sein. „Aufgelockert" Hälfte mit Flucht und Verfolgung der Attentäter sowie heftigen Schießereien und Bombenwürfen. Das taugt nicht als Unterhaltung, bringt keinerlei Erkenntnisgewinn. Es geht in „Boston" niemals um Motive oder Zusammenhänge. Stattdessen der übliche Film-Streit um Zuständigkeit zwischen lokaler Polizei (Mark Wahlberg) und FBI (Kevin Bacon) mit dem triumphalen Satz „Das ist Terrorismus, wir übernehmen!" Alles was zählt, ist ein „Wir" gegen „Die". Insofern ist der Film selbst „terroristisch". Nur die realen Figuren äußern vor dem Abspann tatsächlich vernünftige, kluge und bewegende Dinge. Leider wartet man auf diese 15 Minuten zwei grausame und lange Stunden.

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