16.1.17

Verborgene Schönheit

USA, 2016 (Collateral Beauty) Regie: David Frankel mit Will Smith, Edward Norton, Kate Winslet, Michael Peña, Helen Mirren, Keira Knightley 97 Min. FSK: ab 0

Der neue Will Smith-, oder je nach Geschmack: Der neue Kate Winslet-Film ist einer, bei dem sich sicher Tränchen zerdrücken lassen. Ein Film, der mit einem sehr dichten Star-Aufkommen beeindruckt. Edward Norton, Kate Winslet, Michael, Helen Mirren, Keira Knightley, alle spielen gut, die Inszenierung von David Frankel hat einige grandiose Momente. Trotzdem ist der Film an den US-Kinokassen gescheitert. Er zeigt eine sehr interessante Form des Scheiterns beziehungsweise eine Vermischung ganz unterschiedliche Erzählstimmungen:

Der erfolgreiche New Yorker Werbemanager Howard (Will Smith) ist seit zwei Jahren nur noch der „Zombie-Champion im Domino". Seit seine sechsjährige Tochter starb, baut er im Büro wortlos mehrstöckige Reihen aus Dominosteinen und lässt sie alle paar Tage in Kettenreaktion zusammenfallen. Wie das Verwehen einer Mandala ein großartiges Bild für Endlichkeit und die Vergeblichkeit aller menschlichen Mühen. Ganz banal steht auch die Werbefirma von Howard und seinen drei Partnern kurz vor dem Zusammenbruch. Whit (Edward Norton), Claire (Kate Winslet) und Simon (Michael Peña) wollen das Geschäft verkaufen, aber brauchen die Zustimmung von Howard, der nicht mehr spricht und mit unbeleuchtetem Rad nachts alleine in der Stadt rast. Moderne esoterische Heilungsversuche, unter anderem mit einem Schamanen aus Peru, blieben erfolglos.

Es könnte eine satirische Gesellschaftskomödie sein, wie diese drei gebildeten New Yorker den Wahnsinn ihres Kollegen beweisen wollen. Er ist ihr Freund, aber das Geld brauchen sie auch alle. Deshalb heuern sie drei scheinbar dahergelaufene Schauspieler an, die in Begegnungen mit Howard die Liebe (Keira Knightley), den Tod (Helen Mirren) und die Zeit (Jacob Latimore) verkörpern sollen. Denn diesen drei Konzepten schrieb der verbittert Trauernde wütende Briefe.

Der Film braucht recht lange, um die komplizierte Sache ans Laufen zu bekommen. Und es bleibt vielschichtig, denn die Schauspieler von Liebe, Tod und Zeit sind einerseits in ihren Eitelkeiten („darf ich noch mal auftreten?") herrlich menschlich, blitzen aber auch zwischendurch mit Weisheiten auf, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Und zufällig besprechen sie sich mit jeweils einem Geschäftspartner Howards, der ein passendes Problem hat: Der Verstandesmensch Whit verliert die Liebe seiner Tochter, Claire läuft beim Wunsch, ein Kind zu bekommen, die Zeit davon, und Simon steht kurz vor dem eigenen Tod, was er noch niemandem gesagt hat.

Der Originaltitel bringt ein schwieriges Konzept auf den Punkt: „Collateral Beauty" ist die Schönheit, die es in all dem Schmerz und Schrecken des Verlustes eines geliebten Menschen auch geben soll. Diese Idee ist ganz schön verwegen - vor allem für einen einfachen Tränendrüsenfilm aus Hollywood.

Klingt reichlich konstruiert, ist aber durch das sehr gute Spiel von Smith, Winslet, Norton und Co. gar nicht so schlimm. Die Dialoge haben in ihrer Vielschichtigkeit und den Wortspielen literarische Qualitäten. Wenn die „Hegel theatre company" sinniert, ob dies eher ein Stoff von Noël Coward oder von Tschechow sei, dann will „Verborgene Schönheit" Tschechow sein, ist in besten Momenten eine Gesellschaftskomödie von Coward und zu feige, um den Hollywood-Simplizismus des großen Gefühls hinter sich zu lassen.

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