30.1.17

Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen

BRD 2016 Regie: Andreas Dresen mit Arved Friese, Justus von Dohnányi, Axel Prahl, Andreas Schmidt 102 Min. FSK: ab 0

Ein Horror-Märchen: Es war einmal eine erfolgreiche TV-Serie nach einem Roman von James Krüss. 13 Teile fegten 1979 die Straßen leer und das Unglück holt die Geschichte nun ein. Das Remake ist aufwändiges Ausstattungskino ohne Seele. Die hat man dem Kinokassen-Teufel für ein paar strahlende Filmposter verkauft.

Ein Schauer-Märchen: Es war einmal ein exzellenter und sozial engagierter Regisseur: Das Krebs-Drama „Halt auf freier Strecke" (2011), der Senioren-Sex von „Wolke 9" (2008), die ehrliche Leichtigkeit von „Sommer vorm Balkon" (2005), die Politdoku „Herr Wichmann von der CDU" (2002) und das großartige Sozialdrama „Halbe Treppe" (2001) - Andreas Dresen ist ein begnadet guter Regisseur. Der nun einen einst beliebten Märchenstoff vor sozialem Hintergrund widerbelebt: Timm Thaler (Arved Friese) ist ein witziger, gut gelaunter, armer Junge mit ansteckendem Lachen. Auch wenn der Teufel schnell erkennt, „einer wie du, hat sowieso nicht viel zu lachen". Doch Timm verliert sein Lachen selbst mit garstiger Stiefmutter und Stiefbruder als Mitbewohner nicht. Als aber auch noch der geliebte Vater stirbt, verkauft der traurige Junge sein Lachen an den mysteriösen Baron Lefuet (Justus von Dohnányi) für die unheimliche Gabe, fortan jede Wette gewinnen zu können. Dabei verliert der bald reiche Junge nicht nur Wette für Wette seine Seele, mit der Freude kommen ihm die Freunde abhanden.

Schon die ersten Bilder von reich ausgestatteter Studio-Armut erschrecken. Das soll nett sein und ganz weit weg vom Leben bleiben. Aufwändig, brav, unterhaltsam, lang und langweilig. Darstellerisch gibt es Prominent statt Einsatz. Tatortreiniger Bjarne Mädel macht sich als Timms Vater schnell vom Acker. TV-Nasen wie Harald Schmidt als Ausrufer der Rennbahn gesellen sich zum bekannten und beliebten Dresen-Personal: Milan Peschel gibt den Grabredner dieses traurigen Ausrutschers in Dresens-Filmografie. Axel Prahl und Andreas Schmidt sorgen als Dämonen Behemoth und Belial, die immer wieder in Ratten verwandelt werden, für albernen Spaß. Tommy Ohrner, der alte Timm Thaler, taucht als Concierge auf.

Die Modernisierungen gerieten teilweise peinlich: Der Teufel verkauft wie Nestle den Menschen lachend ihr eigenes Wasser, macht auf Marketing und sagt tatsächlich „Wir schaffen das!" Mobile Kommunikation wird in den 20er-Jahren als Zukunft des Bösen an die Wand geworfen - so lange der Akku hält. Scherze mit Brecht-Zitaten wirken deplatziert wie die Verballhornung von Dresens eigenem Filmtitel auf Kinoplakaten. Man könnte gutmütig auf ein paar nette Momente mit den Kindern und dem Off-Kommentar von Joachim Kròl verweisen, denken, dass die eigentliche Geschichte doch überzeugend bleibt. Aber wenn Timm-Darsteller Arved Friese am Ende wieder so nervig penetrant lacht, würde man seine Kinokarte verkaufen, um diesen nicht gewinnenden Charakter zurück ins Unglück zu stürzen.

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