1.1.17

Die Taschendiebin

Südkorea, 2016 (Ah-ga-ssi) mit Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Jo Jin-woong 144 Min.

„Old Man"Park Chan-Wook ist zurück - ganz unerwartet mit einem erotischen Thriller. Also knisternde Erotik von dem Regisseur, der uns so wunderbare und unglaublich gewalttätige Szenen gegeben hat.

Im Korea der 30er Jahre lebt die unnahbare Lady Hideko mit ihrem dominanten Onkel Kouzuki in einem stilvollen (Horror-) Haus. Das scheinbar naive neue Dienstmädchen Sookee ist tatsächlich eine äußerst geschickte Betrügerin und engagiert, um Hideko dem Grafen Fujiwara in die Hände zu spielen, der sie nach der Hochzeit um ihr Vermögen bringen will. Allerdings verlieben sich die beiden Frauen ineinander und leben einen Teil der Porno-Literatur nach, den der perverse Onkel sammelt, fälscht und handelt.

Die Komplizin wird zum Konkurrenten in Sachen Verführung, dabei kommentiert sie beiseite die stümperhaften Bemühungen des Grafen Fujiwara. Der erfolgreiche Fortschritt des Plans führt zu Eifersucht und einer bösen Überraschung am Ende des ersten Teils.

Der zweite, eine echte Horrorgeschichte, erzählt dann von der brutalen Erziehung Hidekos zu einer Vorleserin für erotische Literatur. Es entwickelt sich ein mehrfach doppeltes Spiel. Wobei es erst unklar bleibt, wer letztendlich wen betrügt. Es geht um Fälschungen von Büchern, Bildern und von Gefühlen. Bei jeder neuen Geschichte, versteht man die letzte besser.

Nach Sarah Waters' Buch „Solange du lügst" inszenierte Südkoreas berühmt-berüchtigter Kult-Regisseur Park Chan-wook mit „Die Taschendiebin" eine leichte, aber sehr schöne Spielerei. Kein Schocker wie „Oldboy" oder auch Park Chan-wooks US-Produktion „Stoker". Eher ein großer Emanzipations-Akt für die erotische Vorleserin, die nie ihr Haus verlassen durfte. Ja, beim ruppig-eleganten Park Chan-wook ging es schon immer auch um die Rechte und Rachen von Frauen. Am deutlichsten bei „Lady Vengeance" aus 2005.

In „Die Taschendiebin" gibt es lange keine Spur von Park Chan-wooks legendärer „Old Boy"-Brutalität, die aber im dritten Teil zusammen mit seinem Markenzeichen, einen Octopus, wieder auftaucht. Doch wie schon die Sozial-Fiction „Snow Piercer", wie der ultra-schräge Science Fiction „I'm a Cyborg, But That's OK", wie der Psychothriller „Stoker" ist auch „Die Taschendiebin" etwas ganz Neues.

Gleichzeitig traditionell in Dekor und Geschichte sowie modern in Montage und Kamera inszeniert. Aber vor allem äußerst stilvoll fotografiert und aufgenommen, mit edler Kleidung, schönen Gesichtern und Einrichtungs-Tableaus ausgestattet. Ein außerordentliches Leinwandvergnügen, das erst ganz am Ende drastisch fies wird. Aber da kann man ja vorher rausgehen, auch die vorletzte Version der Geschichte ist schon sehr sehenswert.

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