24.1.17

Die schönen Tage von Aranjuez

BRD, Frankreich, Portugal, 2016 (Les beaux jours d`Aranjuez) Regie: Wim Wenders mit Reda Kateb, Sophie Semin, Jens Harzer 98 Min. FSK: ab 0

Zum fünften Male verfilmt Wim Wenders einen Text seines langjährigen Weggefährten und Freundes Peter Handke. Nun sind die beiden Herren nicht mehr so jung wie 1969 bei „3 Amerikanische LPs", bei „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1971), „Falsche Bewegung" (1975) oder „Der Himmel über Berlin" (1987). Handkes Bühnenstück „Die schönen Tage von Aranjuez", ein „Sommerdialog" zwischen Mann und Frau, beginnt hier denn auch mit der Frage nach der Entjungferung der Frau. Die Anordnung, die explizit „ohne Aktion" auskommt, spielt in einem Umfeld, dass einem aus der Corinna Belz-Dokumentation „Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte" als tatsächliche Wohnung von Handke bekannt zu sein scheint. Die Kamera kreiselt um die beiden am Tisch unter einer Pergola Sitzenden und Sprechenden, der Blick schweift im Hintergrund in eine herrlich weite und freie Landschaft der Île-de-France. Im Haus, mit Blick auf das Paar sitzt der Autor. Als Alter Ego Handkes selbstverständlich altmodisch an Schreibmaschine. Die seltene Musik kommt von einer Wurlitzer oder auch mal von Nick Cave, der plötzlich am Klavier sitzt.

Nun hören wir unter rauschenden Baumkronen in dieser reizvollen Konstellation ganz schlecht synchronisierte Sätze wie „Es tut weh, heutzutage das wahre Gesicht einer Frau zu sehen" oder „Gibt es etwas Warmherzigeres als die weibliche Form?" Der Mann mit dem Handke-Bärtchen und die Frau mit den Kleidern in wechselnder Farbe sind oder waren wohl ein Paar, aber ihr Gespräch behält eine gekünstelte, unnatürliche Distanz. Dies ist ein Text, ein Theaterstück, nicht das Leben. Von „Erinnere dich an deine Kindheit", ist es nicht weit zu „Als das Kind ein Kind war", doch Handke/Wenders 2017 ist kein „Himmel über Berlin", sondern Illustration von Dialog. Gespräche, die den Zauber des Anfangs herbei beschwören wollen, aber in einsamer Melancholie enden.

Ein wunderbar ruhiger Film gegen alle Trends von Beschleunigung und sich gegenseitig übertönendem Lärm. Eine intellektuelle Spielerei, selbstverständlich in den kunstvollen Sprache Handkes. Zum Eintauchen und Mitspielen oder zum Weglaufen.

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