19.12.16

Vaiana

USA, 2016 (Moana) Regie: Ron Clements, John Musker 107 Min. FSK: ab 0

„Vaiana" nimmt einen polynesischen Mythos, dreht ihn durch die Disney-Mühle bis wieder die übliche US-Teenager-Geschichte herauskommt. Diesmal mit dem Mädchen Vaiana in der Hauptrolle, das seine (verbotenen) Grenzen jenseits der Lagune austestet. Ihr Vater hat ihr streng verboten, hinter das Riff zu fahren. Aber bei einer Ökokatastrophe, die Kokosnüsse faulen und das Meer fischlos werden lässt, entschließt sich die Häuptlingstochter Natur und den Mythos wieder in Ordnung zu bringen. Vaiana, die in Europa nicht ihren richtigen Namen Moana tragen darf, weil eine Bikini-Marke und ein Porno-Dokumentation so heißen, bricht mit einem alten Floss auf und überredet den Halbgott Maui, ihr zu helfen.

Mal wieder ist die weibliche Hauptfigur Thema: Diese Moana / Vaiana ist etwas fülliger als Barbie, etwas eigensinniger als „Die Eisprinzessin" und das geht schon als Gender-Fortschritt durch. Doch bis zu wirklich eigenständigen Figuren, die nicht vor allem vom Hollywood-Konzept der weltweiten Vermarktung geprägt sind, ist es weit her. So was Staunenswertes machte Tomm Moore mit „Das Geheimnis von Kells" und „Die Melodie des Meeres". Bei „Vaiana" führten hingegen die Disney-Veteranen Ron Clements und John Musker („Basil, der große Mäusedetektiv", „Aladdin", „Arielle, die Meerjungfrau", „Küss den Frosch") Regie auf die sichere Tour. Mit verlässlich vielen Liedchen, von denen dann eines wieder den Oscar bekommt. Weil es herzlich wenig mit Hawaii oder Polynesien zu tun hat. Und lustigen Sidekicks wie das blöde Huhn, das letztlich auch mal ein magisches Herz findet. Oder die animierten Tattoos auf Mauis komplett dekorierter Haut und die Kokosnuss-Piraten.

Vaiana ist auch eine Kriegerin, was für ein paar Action-Szenen sorgt, und eine Freundin des Meeres, was etwas Magie in die Geschichte bringt. Das alles passt so gar nicht zu dem Halbgott, der selbst eine unreife Witzfigur ist, so ein männlicher US-Teenager, wahrscheinlich im echten Leben Football-Dampfwalze. Oder der singenden Monster-Krabbe mit ihrer psychedelischen und phosphoreszierenden Musical-Einlage. Ein Disney, der alles Mögliche in die Schale wirft und doch hinter der fast realistisch perfekten Animation Stückwerk bleibt.

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