6.12.16

Sing

USA, Japan, 2016 Regie: Garth Jennings 108 Min. FSK: ab 0

Eine Casting-Show geht vor die Hunde. Und vor die Büffel, Schweine, Echsen, Garnellen.... Wie in „Creature Comforts" von Nick Park („Wallace & Gromit") aus 1989 wird animierten Tieren Urmenschliches in den Mund gelegt, was in Kombination urkomisch wirkt. Die erfolgreiche Regie-Anweisung für große und kleine Tiere lautet diesmal „Sing"!

Buster Moon ist ein kleiner Koala-Bär und ein großer, romantischer Träumer: Er gibt die Idee nicht auf, sein altes schillerndes Musiktheater wieder zu Glanz und Erfolg zu bringen. Dabei steht er eigentlich kurz vor dem Ruin. Die Idee, das Publikum mit einer Casting-Show anzulocken ist nicht so erfolgreich wie der Druckfehler auf den Flugblättern: Aus 1.000 Dollar macht die liebenswert schrullige Sekretärin 100.000! Die erste Ausscheidungsrunde mit viel Pop und Pepp im Sekundentakt ist ein Knaller. Unzählige umwerfende Nummern wie die Schnecke mit „Run like the wind", Garnelen mit einem Beyoncé-Hit oder quietschend bunte japanische Meerschweinchen machen „Sing" schon in der ersten halben Stunde zum Erfolg.

Impressario Buster Moon und seine Kandidaten brauchen etwas länger. Eine freche Sinatra-Maus mit Hang zum Verbrechen ist sehr siegessicher. Das Schwein Rosita muss als gestresste Mutter mit Mann und 25 kleinen Ferkeln erst den Alltag raffiniert automatisieren, um zu den Proben zu kommen. Minna, eine schüchterne Elefantin im Plattenladen, ist ebenfalls mit toller Stimme begnadet, aber so ängstlich, dass sie erst mal hinter der Bühne arbeitet. Mit Ash, der Stachelschwein-Punkerin, gibt es gleich noch eine starke Frauenrolle. Gorilla Johnny covert Elton John und muss für seine Gangster-Familie Schmiere stehen.

All diese kleinen privaten Dramen und der große Kampf ums alte Musiktheater bieten reichlich Handlung im Wechsel mit dem richtig guten Originalgesang von Stars wie Matthew McConaughey, Reese Witherspoon, Seth MacFarlane, Scarlett Johansson und John C. Reilly. Bei den deutschen Stimmen fällt positiv Katharina Thalbachs Sidekick-Figur der uralten verrückten Chamäleon-Sekretärin Miss Crawly auf. Übrigens im Original gesprochen von Regisseur Garth Jennings („Der Sohn von Rambow", „Per Anhalter durch die Galaxis") selbst!

Rasende Animations-Flüge zwischen den Vorstellungen erhöhen das Tempo, aber zum Glück nimmt sich das konventionelle Finale Zeit für ganze Songs und runde Auflösungen aller Geschichten der kunterbunten Tiercharaktere. So bekommt das liebenswerte Schlitzohr Buster vor allem Dank der hauptsächlich älteren Songs von Paul Anka („My Way"), Stevie Wonder („Don't You Worry 'Bout A Thing"), David Bowie und Freddy Mercury („Under Pressure") oder Leonard Cohen („Halleluja") wieder etwas vom alten Glanz seines Musiktheaters hin. Das ist das i-Tüpfelchen auf dieser ausgesprochen flotten und schwungvollen Animation.

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