14.12.16

Rogue One: A Star Wars Story

Rogue One: A Star Wars Story

USA, 2016 Regie: Gareth Edwards mit Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Riz Ahmed, Forest Whitaker 133 Min.

Mit „Rogue One: A Star Wars Story" bringt Disney der Welt bei, wie man eine erfolgreiche Franchise-Kuh richtig melkt. Selbst in dieser Hinsicht revolutionäre George Lucas, der sein ureigenes Star Wars-Universum an den Mickey-Mouse-Konzern verkaufte, wird staunen. Es ist der erste Film mit der Warenkennung „A Star Wars Story", ein abgeschlossenes Abenteuer neben der Star Wars-Saga.

Dieser „Star Wars 3 ½", angesiedelt vor dem allerersten Star Wars-Film „Eine neue Hoffnung" von 1977, erzählt die Geschichte einer Gruppe in Ethnie und Geschlecht modern diversifizierter Helden rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones). Sie schließen sich zusammen, um die geheimen Pläne des gefürchteten Todessterns zu stehlen. Da gibt es den abtrünnigen Piloten des Imperiums (Riz Ahmed), einen rauen Kämpfer der Rebellen (Diego Luna), den blinden Mönch (Donnie Yen) mit der Macht und den bärtigen Berserker (Wen Jiang). Selbstverständlich muss ein Film für in der Entwicklung hängen gebliebene Fan-Boys als Spielzeug einen Roboter enthalten. Darth Vader ist auch wieder dabei, sogar in der Badewanne. Es fehlen jedoch Laserschwerter und Jedis. Die Fans, denen man eigentlich alles anbieten kann, solange was mit X-Wings, Androiden oder Todessternen drin ist, wollen vor allem wissen, wie sich dieser Weihnachtsbonus für Disney & Co. in die Saga einfügt. Dass Disney der Presse gebot, auf keinen Fall zu erzählen, dass am Ende die schaurig digital verjüngte Prinzessin Leia wie vor 40 Jahren die Nachricht vom Todesstern versendet, zeigt wie wenig man dem Unterhaltungswert des restlichen Konstrukts vertraute.

Dabei ist auch diese Episode wieder nicht mehr und nicht weniger als eine kleine, übersichtliche, mit viel Geld aufgepumpte Abenteuer-Geschichte. Jyn schlägt sich nicht nur mit dem Imperium, sondern auch mit dem üblichen Vater-Problem herum. Denn „Ich bin dein Vater" Erso (Mads Mikkelsen) ist als Architekt des Todessterns, also als Speer-Spitze der Mitläufer, scheinbar sehr systemtreu. Ja, sogar der dänische Schauspiel-Gott Mikkelsen tut nach seinem Bond-Auftritt wieder was für den Kontostand. Ansonsten bleiben die Personalkosten für das Spin-of „Rogue One" übersichtlich. Es sind deutlich weniger bekannte Gesichter dabei, als vor einem Jahr, bei „Star Wars: Das Erwachen der Macht", dem siebten Teil der milliardenschweren Saga. Nur Forest Whitaker als wahnsinniger Rebell Saw mit Dennis Hopper-Gedächtnis-Atemmaske fällt noch auf. Und etwas nette Samurai-Action. Die schwache und vernachlässigbar gespielte Hauptfigur überlebt die Sache zum Glück nicht.


Der Rest besteht aus Kriegs-Spiele, die man sich auch live in Syrien ansehen könnte, Nazi-Nachbauten und D-Day-Ikonographie. Dazu ein Opfergang bis zum opernhaften Weltuntergang am Strand, der mal nicht Happy endet. Regisseur Gareth Edwards („Godzilla") wollte diesen Star Wars-Ableger ganz im Stil seines exzeptionellen „Monster" bodenständiger machen und lehnte sich an den dreckigen Realismus moderner (Kriegs-) Filme an. Wieder gibt es fantastische Kreaturen und eindrucksvolle Landschaften, trotzdem muss man sehr irdisch mit Arbeitslagern und Terror-Regimes unweigerlich an aktuelle Kriegs-Katastrophen-Bilder denken.

Wirklich interessant ist die Form des filmischen Erzählens, die sich mit diesem Setzling vom dicken Star Wars-Stamm entwickelt. Das Vorbild stellt eindeutig das Marvel-Imperium dar, das am dreisteten eine Vielfachverwertung seiner ach so flachen Comic-Figuren durchzieht. Aber mittlerweile müssen diese beiden Franchise-Superhelden mit dem neuen Erzählen der schnelleren, dichteren und viel einfallsreicheren TV-Serien konkurrieren. Nicht nur die geballte Ladung an Material beim Binge-Watching neuer Staffeln hängt jeden schwer keuchenden Star Wars-Marathon ab.

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