26.12.16

Assassin's Creed

Großbritannien, Frankreich, Hongkong, USA 2016 Regie: Justin Kurzel mit Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling 116 Min. FSK: ab 16

Nicht nur Fans des Computer-Spiels „Assassin's Creed" waren neugierig auf die gleichnamige Verfilmung von Regisseur Justin Kurzel – hat der doch mit den gleichen Hauptdarstellern Michael Fassbender und Marion Cotillard zuvor einen sehr faszinierenden „Macbeth" inszeniert. Trotz ein paar visueller Reize muss man Kurzel nach dieser Enttäuschung aber kurz sagen: „Game over".

Im Andalusien des Jahres 1492 erklingen Schlachtengetümmel und Schreie Verwundeter. Die Reconquista steht mit der Eroberung von Granada vor dem Endsieg. Mit dem Zurückdrängen der Araber wurde Spanien auch gleich judenfrei gemacht, die Brandstapel der Inquisition lodern fröhlich. In diese nicht gerade gemütliche Gemengelage springt der Film für einen Vorgeschmack mittelalterlicher Action. Dann gehen die Sprünge im Süden der USA auf einem BMX-Rad mitten in eine ärmliche Siedlung, in welcher der junge Callum Lynch zuhause den Vater mit einem Messer neben der ermordeten Mutter findet. Vor einer Armada abgedunkelter Geheimdienstwagen kann Callum gerade noch fliehen. In ein scheinbar wenig erfolgreiches Leben, denn die nächste Szene findet den erwachsenen Lynch (Michael Fassbender) in einer Todeszelle und nach der Hinrichtung erwacht er in einem Hightech-Labor unter den Augen der Forscherin Sophia Rikkin (Marion Cotillard).

Das ist anfangs holperig schnell erzählt. Der Rest bleibt simpel: Mit einem Stecker im Rückenmark und aufgehängt an einem Hydraulik-Kran erlebt Callum Lynch sehr körperlich die Erlebnisse seines Vorfahren Aguilar de Nerha in Andalusien nach. Es geht darum, den Verbleib des legendären „Edenapfel" herauszubekommen. Ein austauschbarer „MacGuffin" - genauso gut hätte es um den heiligen Gral (Monty Python) oder den Nagellack von Maria („Da Vinci Code") gehen können. Wichtig ist, dass die Tempel-Ritter und die „Assassinen" etwas haben, worum sie Jahrhunderte und einige Film-Folgen lang kämpfen können. Das Labor, in dem Callum gefangen ist, wird von den üblen Kirchenmännern kontrolliert. Die geheimnisvollen Assassinen sehen unter ihren Kapuzen cooler aus und machen in Andalusien auf eine Art von Ninja-Guerilla.

Es ist haarsträubend fantastisch, wenn die ganze Laborbesatzung irgendwie sieht und miterlebt, was Callum aufgrund von ein paar DNA-Strängen in Granada und Umgebung alles zusammenschlägt. Die Action im Gegenlicht sieht allerdings ebenso gut aus, wie viele Szenen in „Macbeth". Es gibt reichlich Flugaufnahmen (Aguilar heißt Adler) über rötlich braune Erde, während das Labor sehr grau bleibt. Die Assassinen haben nicht nur asiatische Kampftechniken drauf und beherrschen auch das „vogueing", wenn sie nach einem tödlichen Kick für Sekunden in Poster-Pose verharren. Auch der „parcours" über Dachsimse und Wäscheleinen in Granada geht auf ihre Kutten-Kappe. Darunter ähneln sie dann gleich noch Batman, wenn sie nach erfolgreicher Action wie Raubvögel irgendwo ganz oben auf den Stadtdächern im Abendlicht Schatten werfen.

Columbus war übrigens auch ein Assassine. Kurzel kurz gefasst, müssen die First-Class Schauspieler Michael Fassbender und Marion Cotillard eine ganze Menge Kappes auf ihren Schultern und Gesichtszügen tragen. Fassbender, der die letztlich recht uninteressante Action mit produzierte, kommt als stoischer Kapuzenmann, der seine wahren Gene erkennt, noch halbwegs gut weg. Cotillard, gerade noch in „Allied" mit Brad Pitt verheiratet, kann nichts von ihrem Können zeigen. Aber ihr letzter Blick verspricht Rache, da kann noch was kommen. Hoffentlich mit besserem Drehbuch und mit weniger sinnlosen Hokuspokus.

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