19.12.16

Allied

USA 2016 Regie: Robert Zemeckis mit Brad Pitt, Marion Cotillard, Jared Harris, Lizzy Caplan, Matthew Goode, August Diehl 125 Min. FSK: ab 12

„Uns bleibt immer Casablanca" – dachte sich wohl Robert Zemeckis („Forrest Gump", „Flight", „Cast Away"), als er ein neues Filmprojekt suchte. „Allied" ist edles Starkino mit Brad Pitt und Marion Cotillard, dabei gleichzeitig eine nette Hommage an Michael Curtiz' Klassiker „Casablanca" von 1942.

Schon wie der kanadische Geheimdienstoffiziers Max Vatan (Brad Pitt) in den ersten Wüsten-Bildern dieses hochkarätigen Films landet, ist formvollendet. Da schwebt ein Mann im sandigen Nirgendwo auf eine Düne nieder und schon sind wir gefesselt mittendrin in den Rätseln der Handlung. Ein Auto staubt heran, der Pistolen-Halfter wird gelöst. Doch spannend wird es in Casablanca erst einmal zwischen Max und der französischen Résistance-Kämpferin Marianne Beausejour (Marion Cotillard). Im Auftrag der Alliierten spielen sie ein Ehe- und Liebespaar aus Paris (siehe Humphrey Bogart und Ingrid Bergman). Marianne warnt ihn früh: Der Fehler, den Leute in diesen Situationen machen, ist nicht, miteinander ins Bett zu gehen. Es sind ihre Gefühle!

Nebenbei erledigen die Liebes-Spione ziemlich kalt den deutschen Botschafter und noch ein paar Nazi mehr. Marianne hat dabei die Hosen an, sowohl sprachlich als auch in der Kenntnis der lokalen Umgangsformen. Es ist wunderbar, wie Mrs. Pitt und Mrs. Cotillard Verliebte spielen sollen, was umso schwieriger wird, wenn man sich tatsächlich verliebt. Nach stürmischer Liebe im Wüstensturm – das ist der zweite Clou des Films – stellt sich allerdings später die Frage, ob die Liebe echt war.

Robert Zemeckis, einer der ganz prominenten Regisseure, der mit zahllosen Stars gedreht hat, inszeniert sein Liebes- und Spionage-Drama „Allied" wieder grandios. Ein Hauch, oder eher ein Wüstenwind von „Casablanca" weht gleich zu Anfang kräftig durch die Geschichte. Ebenso elegant setzt sich die Handlung mit wenigen Szenen über längere Zeiträume hinweg: Von der kurzen, schneidigen Action-Einlage beim Anschlag, über Heirat und Geburt einer Tochter bis zum Zeitraum, wo die Uniform von Max fast schon am Haken hängt. Die Sache bekommt nur einen Haken, als ein besonders geheimer Geheimdienst-Mann Max in London eröffnet, dass seine Frau dringend verdächtigt wird, eine deutsche Spionin zu sein.

„Allied" sieht nicht nur gut aus, er funktioniert auch bestens als Liebesfilm, Kriegs- und Spionage-Geschichte. Zudem zeigt Zemeckis das vom deutschen Bombenterror gepeinigte London mit Partys zum Fliegeralarm und Picknick vor abgeschossener Luftwaffen-Maschine. Brad Pitt spielt losgelöst von Klamotten wie „Mr. und Mrs. Smith" hervorragend in fast schüchterner Zurückhaltung, Verliebtheit, Schock nach der Anklage und in Zweifeln. August Diehl, der demnächst als Karl Marx zu sehen sein wird, macht hier kurz den Nazi-Standard als fieser deutscher Kommandant. Er schafft es aber nicht bis zum Flughafen, wo am Ende wieder Casablanca zitiert wird – an einem anderen Flughafen in einer anderen Abschieds-Szene. „Allied" muss kein Klassiker werden, ist aber beste Kinounterhaltung auf hohem Hollywood-Niveau.

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