7.12.16

Alle Farben des Lebens

USA, 2015 (About Ray/Three Generations) Regie: Gaby Dellal 93 Min. FSK: ab 6

Wenn die lesbische Oma der Enkelin sagt, „Sex mit Frauen bedeutet nicht, dass du weltoffen bist, du bist nur glücklich", dann sind wir herrlich weit fortgeschritten im reichen und intellektuellen Bürgertum New Yorks. Dass die 16-jährige Enkelin Ray (großartig: Elle Fanning) allerdings ein Junge sein will, findet die liberale Dolly (Susan Sarandon) dann gar nicht mehr gut. Und auch die freilebige Mama Maggie (Naomi Watts) zögert ihre Unterschrift zur Hormontherapie als Erziehungsberechtigte lange hinaus. Zum Glück kann sie ja auch noch auf den Mann warten, dessen Name in der Geburtsurkunde steht, und den in den letzten Jahren keine der Frauen mehr gesehen hat.

Die drei Generationen in dem alten Haus bilden eine wunderbare Familie mit sehr schönem Frauen-Pärchen, einer suchenden Zwischengeneration und der entschlossenen Jugend voller Energie. Tolle Bilder des transsexuellen Mädchens in New York beim Skaten und Workout machen den Film auch optisch zu einem Genuss. Aber vor allem die geistreichen und klugen Dialoge, die man so sehr selten im Film hört, sind ein Glücksfall. Bei dem der ironische Witz nicht zu kurz kommt, wenn in dem penetrant vegetarischen Haushalt für ein blaues Auge doch noch ein Huhn aus dem Kühlschrank herhalten muss. Oder Maggie ihren sehr jungen Liebhaber fragt, wie es ist, einen Penis zu haben. Das ist eine starke Truppe, auch weil sie durchgehend mit Extraklasse-Schauspielerinnen besetzt ist. Vor allem Super-Jungstar Elle Fanning („The Neon Demon", „Maleficent") begeistert, wie ihr/e Ray mit Sensibilität die neue Rolle sucht oder mit der Rauheit eines James Dean und ihren Doc Martens durch die Straßen New Yorks stapft. Das ist atmosphärisch wie menschlich gleichermaßen wunderbar und in jeder Hinsicht gelungen.

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