16.11.16

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Großbritannien, USA, 2016 (Fantastic Beasts and where to find them) mit Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Colin Farrell, Samantha Morton 140 Min.

Fantastisch ist er tatsächlich, dieser neue Film nach J.K. Rowling: Wieder ein Film mit viel Magie und Zauberstab-Gefuchtel. Aber Rowling hat sich von Potter emanzipiert, der neue Held Newt Scamander ist erwachsen. Vor allem aber spielen sagenhafte und wirklich phantastische Tierwesen die Hauptrolle in diesem erstaunlichen Film.

Die Vorlage für diesen Film was das Hogwarts-Lehrbuch „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind", das von der fiktiven Figur Newt Scamander verfasst wurde. Er spielt Jahrzehnte vor Harry Potter, im New York des Jahres 1926: Der Engländer Newt Scamander (Eddie Redmayne) ist kaum von Bord gegangen, das entschlüpfen seinem Lederkoffer die ersten Wesen. Ein diebisches kleines Schnabeltier sorgt in einer Bank und im Juwelierladen für herrliches Chaos. Dabei hat der Magische Kongress der USA (MACUSA) magische Wesen verboten und sieht sich einem wachsenden Rassismus gegenüber. Eine Gefährliche Glaubensrichtung mit sadistischer Hass-Predigerin (Samatha Morton) als Anführerin ruft zur Hexenjagd auf, wie einst in Salem. Die Zerstörungen eines dunklen und gewalttätigen Obscurus erschrecken die Stadt und werden dem gutherzigen Newt in die Schuhe geschoben. Nach viel Spaß und ein paar Andeutungen einer dunklen Bedrohung wird ausgerechnet der herzensgute Newt Opfer einer speziellen Hexenjagd durch die Hexer selbst. Hintergrund der Obscurusse ist eine interessante Konstruktion: Unterdrückte Fähigkeiten bei Kindern erzeugen diese mörderische Macht.

Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit", „The Danish Girl") sah schon immer ungewöhnlich aus. Sein Magizoologe Newt Scamander wirkt zwar anfangs brav, doch mit einen entschlossener Sanftheit erweist der Tierfreund sich als erwachsener Zauberer. Als Hauptdarsteller von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" erweisen sich allerdings tatsächlich die magischen Tierwesen: In der Manteltasche versteckt sich ein kleines, eigenwilliges Wurzelmännchen, das Schlösser knacken kann. Das unsichtbare Demiguise sorgt im weihnachtlichen Macy's für Chaos. Als auch noch der echte Zoo im Central Park einen massiven Ausbruch zu vermelden hat, erleben wir den Newts Paarungstanz mit einem gigantischen, leuchtenden Nashorn. Und eigentlich ging es um Frank, einer riesigen vierflügeligen Kreuzung aus Adler und Drache, die zurück nach Arizona soll.

Doch nun muss Newt einen polnischen Bäcker betreuen, der durch ein bissiges Wischmob-Wesen infiziert wurde, die liebenswerte Außenseiterin Goldstein von seinen guten Absichten überzeugen und vor allem dauernd seine Tiere wieder einfangen. Das historische New York wurde hierfür mit enormem Aufwand rekonstruiert, im Jazz-Club erlebt man Elfen als Bedienung und Band. Das 3D funktioniert bei kleinen, bunten magischen Insekten ebenso wie bei riesigen, schillernden Schlangenwesen. Wenn man mit Newt und Rowling in diesen wunderbaren Koffer hinabsteigt, kann man endlos staunen angesichts der unendlichen Welt und des Artenreichtums im Inneren.

Bei dem Reichtum an Einfällen und magischen Wesen gerät die X-Men Geschichte mit dem gleichem Konflikt, der gleichen Konfrontation glatt in den Hintergrund. Leider erspart uns das Finale nicht das übliche Zerstörungs-Feuerwerk im Ghost Buster-Stil mit Godzilla-Spuren und dem typischen Zauberstab- oder Lichtschwert-Fuchteln. Nur ein kurzer Johnny Depp-Auftritt sorgt hier für Überraschung. Trotzdem ist die Vorfreude auf die nächste Dosis Magie im Kino selbst bei einem Muggel sehr groß.

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