29.11.16

Marie Curie

Frankreich, Polen, BRD, 2016 Regie: Marie Noëlle mit Karolina Gruszka, Arieh Worthalter, Charles Berling 100 Min. FSK: ab 6

Das erste, was wir von der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie sehen, ist eine Geburt. Dabei ist Curie (1867-1934) die einzige Frau unter den vier Mehrfach-Nobelpreisträgern und neben Linus Pauling die einzige Person, die Nobelpreise auf zwei unterschiedlichen Gebieten erhalten hat. Die Polin war erste Frau an der Sorbonne und später die erste Professorin, die dort lehrte. Genau diese Spannung zwischen Mutter, leidenschaftlicher Frau und außergewöhnlicher Wissenschaftlerin versucht die Regisseurin und Autorin Marie Noëlle („Ludwig II.", 2012, „Die Frau des Anarchisten", 2008) in einschmeichelnden Bildern einzufangen.

Der Film erzählt vom Leben der französische Wissenschaftlerin Marie Curie (Karolina Gruszka) zwischen ihren beiden Nobelpreisen für Physik (1903) und für Chemie (1911). Die große und leidenschaftliche Liebe zu ihrem Mann Pierre (Charles Berling) wird durch dessen plötzlichen Unfall-Tod zerrissen. Eine gemeinsame Romantik, die auch darin bestand, das blaue Strahlen des Radiums in der Nacht zu bestaunen, ist vorbei. Gerade Mitte dreißig versucht die junge Mutter zweier Kinder die Lehrtätigkeit ihres Mannes als einzige gleichwertige Forscherin auf dem Gebiet der Strahlenforschung weiterzuführen. Doch die sexistischen Widerstände sind und bleiben groß. Der Liebesfilm zeigt nun den Kampf einer Frau, die ohne ihren Mann keine Anerkennung und keine Professoren-Stelle erhalten kann. Marie kämpft auch dafür, dass ihre Töchter einmal in einer gerechteren Welt leben können. (Eine Tochter wird später als zweite Frau überhaupt auch einen Nobelpreis erhalten!)

Es ist ihr geistreicher Bewunderer Einstein, der beim Spaziergang am Strand das Lachen der Marie Curie entdeckt. Eine neue Liebe findet sie mit einem verheirateten Kollegen - ebenfalls Wissenschaftler und Liebhaber in einem - und macht sich dessen zu Recht eifersüchtige Frau zur Feindin. So trifft die Nachricht vom zweiten Nobelpreis ein, während die „Académie des sciences" Marie Curie gerade abgelehnt hat und ein Pöbel ihr Haus belagert, weil sie mit einem verheirateten Mann zusammen und auch noch Jüdin ist

Dass diese „moralische Verfehlung" nur Thema sein kann, weil Marie Curie eine Frau ist, der ein besonders eklig sexistischer Entscheider seine Stimme nur gegen Sex geben will, spricht die entschlossene Frau selbst aus. Während modernste Wissenschaft und archaische Schlacken wie Antisemitismus und Duelle nebeneinander existieren, zeigt Regisseurin Marie Noëlle gleichzeitig exzellente Forscherin und leidenschaftliche Frau. Das könnte in Plattitüden abrutschen, doch Curie wird sehr glaubwürdig, sinnlich und energisch verkörpert von der Polin Karolina Gruszka. Trotz poetisch überstrahlter Bilder - ein Großteil der Szenen findet im Gegenlicht statt - bleiben die Figuren lebendig und natürlich. Die Musik von Bruno Coulais sichert die großen Gefühle, die Kamera von Michal Englert sorgt für einschmeichelnde Bilder. Letztendlich ein gelungenes Experiment, denn neben der historisch-biografischen Geschichte meint man einen faszinierenden Menschen kennenzulernen.

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