13.11.16

Jeder stirbt für sich allein

BRD, Frankreich, Großbritannien, 2016 (Alone in Berlin) Regie: Vincent Perez mit Brendan Gleeson, Emma Thompson, Daniel Brühl 100 Min. FSK: ab 12

Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein" erschien im Jahr 1947 und schildert den Widerstand „kleiner Leute" gegen das Nazi-Regime. Primo Levi bezeichnet ihn als „das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand geschrieben wurde". 2002 erschien der Roman, teilweise erstmals übersetzt, in den USA, Großbritannien, Israel und Frankreich und wurde zu einem Bestseller. So kam es auch in Deutschland zu einer Wiederentdeckung.

„Jeder stirbt für sich allein" erzählt nach einem authentischen Fall, wie im Juni 1940 in Berlin Anna und Otto Quangel (Emma Thompson, Brendan Gleeson) zu „Widerstands-Schreibern" werden, nachdem ihr Sohn als Soldat getötet wurde. Die nationalsozialistische Propaganda feiert den Sieg über Frankreich und in der Wohnküche in Prenzlauer Berg herrscht Trauer. Erst jetzt „erkennt" das wohl bislang unpolitische Arbeiterehepaar, das lange an den „Führer" geglaubt hatte, dessen Versprechungen als Lüge und Betrug. Otto schreibt Postkarten mit Parolen gegen Hitler und legt sie überall im Stadtzentrum ab: Stoppt die Kriegsmaschine! Tötet Hitler! Ein halbwegs rechtschaffener Polizist (Daniel Brühl) verfolgt sie, muss aber auf Druck der SS zu brutalen Maßnahmen greifen. Letztlich wird das Paar erwischt und erhängt.

Hans Fallada (1893–1947) schrieb den Roman im Herbst 1946 kurz vor seinem Tod und setzte damit ein Denkmal für das Ehepaar Otto und Elise Hampel, das mit fast 300 Postkarten Widerstand leistete. Die mittlerweile fünfte Verfilmung kommt mit internationalen Stars daher: Neben Brendan Gleeson beweist vor allem Emma Thompson in der Hauptrolle, dass man ihr alles abnimmt. Filmstadt-Kulisse, Kostüme und Konzept hingegen nicht. Frisch gebügelte Nazi-Kostüme gehen durch die Straßen, der typische, fett schwitzende Blockwart (Jürgen Tarrach) verfolgt Otto fast geifernd. Lars Rudolph gibt quengelnd – unter seinem Vermögen - den schäbigen Verräter. Spürbar ist eine Atmosphäre der Bespitzelung und Bedrohung trotzdem. Daniel Brühl, der Niki Lauda des deutschen Schauspiels, bewährt sich wieder mal auf internationalem Parkett und spielt mit Kommissar Escherich die Figur, die als einzige in ihrer Zerrissenheit tragisch wirkt.

In dem wohlgemeinten Versuch, die Verantwortung des Einzelnen unter der Diktatur an Fallbeispielen zu differenzieren, laufen in der Europudding-Produktion bis zum strammen SS-Sadisten haufenweise abgegriffene Nazi-Klischees herum. Das ist mäßig spannende Unterhaltung mit historischer Sättigungsbeilage. Alle Jahre wieder notwendige Vergangenheits-Bewältigung, die so nicht ausfallen darf.

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